FRAU ZUNDER liest: Die Verabredung

Gestern Abend habe ich meinen Schreibtisch in ein „Aufnahmestudio“ verwandelt um endlich den Text einzulesen, nach dem ich seit Oktober gefragt werde.

Für alle Geduldigen und Ungeduldigen, für alle, die gerne Texten lauschen und für alle Linas, Sasas und Paulis gibt es die Geschichte von den zwei Freundinnen, einem kleinen Hund und der französischen Küche jetzt zum immer und immer wieder hören. Egal ob auf SoundCloud oder über YouTube. Viel Spaß!

DIE VERABREDUNG hatte ihre Prämiere am 30.10.2016 auf der Lesebühne der Infinite Monkeys im Café wunschlos glücklich in Würzburg. Da ich die Lesebühne INFINITE MONKEY mit organisiere und auch moderiere, möchte ich noch ein bisschen Werbung dafür machen. Wir sind Autor*innen, die andere Autor*innen ermutigen möchten, ihre Texte aus der Schreibtischschublade oder der Festplatte zu holen und auf unserer Bühne ohne Bewertung einem Publikum vorzutragen. Wer erst einmal in kleiner Runde lesen möchte oder einfach nur vorbeischauen will, ist immer gern zu unseren Autorentreffen eingeladen, die jeden Monat stattfinden. Schaut einfach mal auf unserer Website vorbei oder besucht uns auf Facebook. Du musst noch nichts veröffentlicht haben, um bei uns lesen zu dürfen und du musst auch kein Student sein. Alle sind herzlich eingeladen.

Wer noch mehr Informationen über die Lesebühne und die Autorentreffen möchte und auch mal in ein Autorentreffen reinhören will, hat großes Glück, denn die liebe Alessandra von egoFM hat uns erst vor ein paar Wochen interviewt und den tollen Beitrag könnt ihr unter egoFM JUNGE TALENTE nachhören.


Findus entspannt in seinem Katzenleben

Die Geschichte vom Stressless-Sessel

Vor fünf Jahren hat mein Vater sich einen sehr bequemen, sehr roten und sehr teuren Stressless-Sessel zu seinem 50. Geburtstag gewünscht. Er ist aus echtem und ganz weichem Rinderleder*, nimmt schnell Körperwärme auf und schmiegt sich an denjenigen an, der darin entspannt. Er hat eine hohe Rückenlehne, Armstützen und steht auf  einer schmalen, geschwungenen Holzkonstruktion. Sehr ergonomisch designet, sehr hübsch anzusehen. Der Stressless-Sessel wurde nach großer Bewunderung, und Probesitzen der ganzen Familie ins „Fernsehzimmer“ gestellt. Das ist der Raum, in dem — Überraschung! — ein großer Fernseher, ein größeres Sofa und eine noch größere DVD-Sammlung stehen, die jeder Videothek Konkurrenz gemacht hätte — würde es noch Videotheken geben. Mein Vater könnte am Wochenende eine eigene eröffnen und Mitgliedskarten für nostalgische Dorfbewohner erstellen. Außerdem befindet sich, sehr zum Leidwesen aller Beteiligten, auch sein Büro in diesem etwa 15m² großen Raum. Büro bedeutet in diesem Fall: ein unter Papier begrabener Schreibtisch, massenweise Ordner, die neben den DVDs in den Regalen stehen (für alle eher weniger Film interessierten Leute, könnte er Wochenzettel und Rechnungen der letzten dreißig Jahre zum Ausleihen anbieten), ein Drucker und ein riesiges Faxgerät.
Grund genug, sich nach einem Arbeitstag im Stressless-Sessel zu entspannen, die Füße hochzulegen und sich vom Rinderleder wärmen zu lassen. So sollte der wunderschöne, sehr ergonomisch designte, sehr rote und sehr teure Sessel demjenigen Entspannung bieten, der seine stressbefreiende Wirkung am meisten nötig hat.

Nun ist es so, dass wir einen Kater haben.

In Findus (natürlich nach dem sprechenden Kater Findus mit der grünen Hose benannt, der mit seinem alten Pettersson in Schweden auf einem kleinen Hof lebt und auch genau so aussieht — außer, dass er eher selten eine Hose trägt) habe ich mich als er wenige Wochen alt war, im Tierheim verliebt und mit nach Hause gebracht. Er war winzig klein und sofort der Mittelpunkt aller anderen fünf Familienmitglieder.
Findus war gerade zwei Jahre alt (=24 Menschenjahre), als der Stressless-Sessel unter großem „Oooh“ und „Aaah“ aufgestellt wurde.  „Wir müssen etwas über den Sessel tun, sonst kratzt der Kater ihn kaputt und dann ist das schöne Leder versaut.“, meinte Papa.

Nun ist es so, dass mein Vater seit seiner Kindheit großer FC-Bayern München Fan ist.

Also hat er zum Geburtstag von Freunden mit gleicher Vorliebe auch ausgewählte Accessoires passend zum Verein geschenkt bekommen. Wie diese rot-weiße Fleecedecke mit einem riesigem Bayern-München-Logo. Diese Fandecke wurde also provisorisch über das hübsche dunkelrote Rinderleder drapiert. Weniger Rinderleder, dafür kuscheliger Fleece, weniger skandinavisches Design, dafür mehr Stadionfeeling.

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Findus schläft im Stressless-Sessel

Es muss sich nun ein Missverständnis ereignet haben, das bis heute anhält, denn Findus ist der Meinung, dass der wunderschöne, sehr ergonomisch designte, sehr rote und sehr teure Stressless-Sessel eigens für ihn angeschafft worden sein muss. Glücklicherweise hatte er wenig Interesse daran, an seinem Geschenk herumzukratzen. Viel schöner ist es ja, darauf zu liegen. Insbesondere, wenn eine kuschelige Fleecedecke extra für ihn ausgebreitet wird.

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Findus‘ Lieblingsplatz zum Entspannen

Nun ist es so, dass die FC-Bayern-Fleecedecke heute immer noch genau so über dem wunderschönen, sehr ergonomisch designten, sehr roten und sehr teuren Stressless-Sessel liegt. Und auch, dass natürlich derjenige mit dem meisten Stress, die meiste Zeit darauf entspannt: der Kater.
„Wenn ich noch einmal geboren werde,“, sagen Gäste „dann will ich Katze bei euch werden.“ Findus muss in seinem vorherigen Leben also viel gutes Karma gesammelt haben. Mit seinen fast acht Jahren (=46 Menschenjahren) hat er eine fantastisch weiche Wohlfühloase fast für sich allein.

Denn schlafende Katzen, weckt man nicht.

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*EDIT 11. Januar 2017: Die lieben Leute von Stressless haben mir mitgeteilt, dass es sich bei dem Leder des wunderschönen, sehr ergonomisch designten, sehr roten und sehr teuren Stressless-Sessels um Rinderleder und nicht um Elchleder handelt. Findus erzähle ich das nicht, denn er fühlt sich bestimmt sehr nordisch.

Stressless auf Instagramm

Danke nette Stressless-Social-Media-Beauftragte-Menschen 🙂


Reflexion zum Jahresende während der mythischen Rauhnächte

Rauhnächte: Achtsamkeit und Reflexion zwischen den Jahren

Während der Rauhnächte wurde früher und wird zum Teil noch heute, besonders in Teilen des Schwarzwalds, im Allgäu oder Tirol, uralten Bräuchen nachgegangen. Von der Weihnachtsnacht bis zum Dreikönigstag wurde orakelt, gedeutet, sich auf das Alte besonnen und auf das neue Jahr vorbereitet. Zu dieser heiligen Zeit durfte nicht gearbeitet, ja nicht einmal gewaschen oder gebacken werden, Ställe und Häuser wurden ausgeräuchert, um böse Geister zu vertreiben und gute Energien hineinzulassen. Die Verbindung zur jenseitigen Welt, glaubte man, sei  in dieser Zeit besonders stark. Da sich die Rauhnächte nach dem Mondzyklus richten und zum keltischen sowie zum germanischen Kalenderkreis gehören, befinden sie sich tatsächlich zwischen zwei Jahren. Sie gehören nicht mehr zum alten aber auch noch nicht zum neuen Jahr. Perchtenumzüge oder Klausentreiben mit gruseligen Gestalten wie dem Krampus oder einer sehr unheimlichen Frau Holle, sprechende Tiere und Orakel finden heute viele Menschen seltsam. Auch, wenn sie sich oft selbst dieser Brauchtümer bedienen und sich auf Umzügen (ja, auch zum Karneval, Fastnacht, Fasching oder Halloween) verkleiden oder an Silvester Blei gießen, was ursprünglich ebenfalls zu den Bräuchen der Rauhnächte gehörte. Hier findest du noch mehr Informationen zu den Rauhnächten.

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Aber auch, wenn man während der Rauhnächte nicht nach diesen alten Bräuchen und Mythen lebt, kann man diese Zeit am Ende des alten und zu Beginn des neuen Jahres nutzen, um sich zu besinnen, achtsam zu sein und das vergangene Jahr zu reflektieren. Wie war es und was ist seit dem Beginn des letzten Jahres passiert, in dem man um Mitternacht mit Sektglas und roten Wangen sehnsüchtig den Raketen nachgeblickt und sich selbst „Auf ein Neues“ zugeflüstert hat?

Was will man im neuen Jahr verändern, was möchte man erreichen? Es lohnt sich, sich für all diese Fragen Zeit zu nehmen und sie während der zwölf Rauhnächte (natürlich auch davor oder danach) für sich selbst zu beantworten. Man sollte auch versuchen, Wünsche für das neue Jahr  zu formulieren, denn man munkelt, dass sich die Wünsche während der Rauhnächte dann, im neuen Jahr, erfüllen werden!

Das alles ist ein bisschen so, wie sich gute Vorsätze fürs neue Jahr zu machen, aber viel aufschlussreicher, konkreter und einfacher umzusetzen, wenn man seine Gedanken ausformuliert hat und weiß, worauf man zurückblickt. Wichtig ist, dass man sich nicht zu viel vornimmt. Wer nächstes Jahr endlich regelmäßig ins Fitness-Studio gehen möchte, sollte sich fragen, warum es dieses Jahr nicht geklappt hat. Und er sollte sich realistische Ziele setzen, wie zum Beispiel, erst einmal in der Woche das Fitness-Studio zu besuchen, sich über den Tag hinweg viel zu bewegen und öfter mal eine Haltestelle früher auszusteigen. Wer sich zu viel vornimmt und sich schon zum Jahresbeginn vor zu große Herausforderungen stellt, der ist schnell frustriert, wenn er scheitert und leider auch oft dazu geneigt, gleich alles bleiben zu lassen. Dann ist es besser, nicht all zu hart zu sich zu sein und es einfach noch einmal zu versuchen. Dazu braucht es nämlich nicht unbedingt einen Jahreswechsel!

Damit mir mein persönlicher Jahresrückblick besonders viel Spaß macht und ich ihn gut aufbewahren kann, habe ich eine Druckvorlage mit Fragen und Anregungen erstellt, die du dir hier als PDF herunterladen kannst: Reflexion und Achtsamkeit 2016-2017. Du kannst sie einfach im A4 oder A5 Format oder als Broschüre (schau mal, ob dein Drucker oder dein PDF-Reader so etwas kann) ausdrucken. Die kannst du dann vorsichtig mit zwei Heftklammern oder Nadel und Faden selbst binden. Dann kannst du dein Heftchen in aller Ruhe ausfüllen. Mach es dir gemütlich, zünde, wenn du magst, eine Kerze oder eine Duftlampe an, um auch ein bisschen herumzuräuchern, und bereite dir ein Heißgetränk deiner Wahl zu. Nimm dir zum Ausfüllen und Nachdenken am besten soviel Zeit, wie du brauchst und bewahre deine Antworten gut auf. Vielleicht hast du Lust, im nächsten Jahr hin und wieder hinein zu spicken um dich an die Dinge, die du dir vorgenommen hast zu erinnern oder nächstes Jahr nachzusehen, ob sich ein paar deiner Wünsche erfüllt haben.

Alles Liebe und ein wundervolles Jahr 2017 für dich und alle, die dir wichtig sind

          Susan


Rezept für Winter-Apfel-Tartelettes mit Zimt und Ahornsirup

Wärmende Winterapfel-Tartelettes

Es schneit draußen. Der Ofen ist an und es duftet herrlich winterweihnachtlich nach Äpfeln, Zimt und Nüssen. An kalten Dezembertagen schmecken die wärmenden Winterapfel-Tartelettes besonders gut.

Rezept für Winter-Apfel-Tartelettes mit Zimt und Ahornsirup

Mmmh… wärmende Winterapfel-Tartelettes.

Es gibt in meiner Küche fast immer ein bis zwei Äpfel, die ich nicht rechtzeitig gegessen habe und die schon ein bisschen weich und runzlig sind. Solche Äpfel könnt ihr in den kalten Monaten waschen, an eine Schnur binden und in einen Baum hängen, damit sich die Vögel freuen, Apfelmus einkochen oder wunderbar damit backen! So findet das vergessene Obst doch noch eine leckere Verwendung.

Mir gefallen die Winterapfel-Tartelettes so gut, weil sie wie eine richtige kleine Tarte aussehen und man ganz alleine eine ganze essen kann, ohne ein allzu schlechtes Gewissen zu haben. Denn die kleinen Tartelettes sind gerade so groß wie ein einziges Kuchenstück. Die Keramik-Förmchen habe ich in dem winzigen Backladen AMON in Würzburg gekauft, in dem sich die Backutensilien, Zutaten, Gläser, Kochlöffel und Brautpaare aus Wachs und Zucker bis unter die Decke stapeln. Support your local Küchenfachgeschäft und kauft eure kleinen Schätze unbedingt dort! Meine sind von „Küchenprofi“ und haben einen Durchmesser von 12 Zentimetern und kosten unter 4€ pro Stück.

Also ran an die Zutaten und Schürze an: Lass‘ uns anfangen!

Rezept für Winter-Apfel-Tartelettes mit Zimt und Ahornsirup

Perfekte Mischung für kalte Winternachmittage: Äpfel, Zimt, Nüsse und Ahornsirup.


REZEPT FÜR ZWEI WÄRMENDE WINTERAPFEL-TARTELETTES

Was du brauchst:

Für den Teig

1 kleinen Apfel, der schon lange in deiner Küche liegt und die besten Tage hinter sich hat
25g Margarine oder Butter für den Teig und etwas Margarine oder Butter zum Einfetten der Formen
20g Zucker
5g Vanillezucker
1 kleines Ei
50g Mehl
1/4 TL Backpulver
10g gemahlene Haselnüsse und noch ein kleines bisschen mehr zum Bestreuen der Formen
1 klitzekleines bisschen Zitronen- oder Orangenschale (oder 1-2 Tropfen Backaroma)
eine Messerspitze Zimt
1 kleine Prise Salz
1-2 EL Milch

Zum Schluss für Obendrauf

Ahornsirup
Zimt
Puderzucker
Walnüsse

Wie du es machst:

  1. Heize deinen Ofen auf etwa 160°C Umluft/180°C Ober- und Unterhitze vor.
  2. Während du deine Zutaten zusammensuchst, hole schon mal die Margarine oder die Butter und das Ei aus dem Kühlschrank, damit sie ein bisschen warm mit dir werden können.
  3. Schäle den Apfel und schneide ihn in feine Spalten von etwa 5mm Dicke am äußeren Rand.
  4. Gib die Margarine oder Butter in eine kleine Rührschüssel und ein kleines bisschen in jedes deiner Förmchen.
  5. Verteile die Margarine oder Butter in deinem Förmchen (du kannst sie auch ganz kurz in den Ofen stellen, damit sich die Margarine oder die Butter leichter verteilen lassen).
  6. Gib den Zucker und den Vanillezucker in die Rührschüssel und schlage sie mit deinem Handrührgerät oder deiner Küchenmaschine kurz mit der Margarine oder der Butter auf.
  7. Gib das Ei dazu, siebe das Mehl und das Backpulver in deine Rührschüssel und gib die gemahlenen Haselnüsse hinzu.
  8. Streue ein wenig der gemahlenen Haselnüsse in den Tartelette-Förmchen, damit sie gut an der geschmolzenen Margarine oder Butter haften bleiben.
  9. Jetzt fehlen nur noch die geriebene Zitronenschale oder das Backaroma, der Zimt und eine Prise Salz.
  10. Gib einen Esslöffel Milch hinzu und verrühre alles gut miteinander. Falls dein Teig zu bröselig und fest ist, gib noch ein wenig mehr Milch hinzu.
  11. Nun füllst du den Teig gleichmäßig in deine Tartelette-Förmchen, bestäubst den Teig ganz leicht mit Zimt und verteilst die Apfelschnitze in einer Reihe so darauf, dass sie sich ein wenig überlappen.
  12. Das sieht doch schon super aus! Lobe dich ein bisschen.
  13. Zerhacke ein paar Walnüsse und bestreue den Teig damit. Drücke sie leicht hinein, damit sie nicht anbrennen.
  14. Beträufle die Äpfel mit Ahornsirup und schiebe die Winterapfel-Tartelettes für 20 Minuten zusammen mit einer Wasser gefüllten kleinen ofenfesten Form in den Ofen.
  15. Nach 20 Minuten steckst du ein Holzstäbchen in die dickste Stelle in der Form. Klebt kein Teig mehr daran, sind deine Tartelettes fertig!
  16. Raus aus dem Ofen und lasse sie ein bisschen abkühlen. Merkst du, wie weihnachtlich deine Küche riecht?
  17. Bestreue deine Winterapfel-Tartelettes noch einmal mit ein wenig Zimt und Puderzucker.
  18. Lobe dich noch einmal. Gut gemacht!

Wenn ich mich in warmen Decken verstecke und es draußen ungemütlich wird, gibt es fast nichts besseres. Außerdem macht Backen in der Weihnachtszeit noch mal so viel Spaß. Damit dir nicht langweilig wird, kannst du dir, solange die Winterapfel-Tartelettes im Ofen sind, diese wundervolle polnische Weihnachtswerbung ansehen.


Alle Jahre wieder

Weihnachten, was war das noch?

Für die letzte Ausgabe des Bugles in diesem Jahr habe ich wieder eine Kolumne verfasst. Sie ist sehr hübsch weihnachtlich und weil heute Nikolaus ist, gibt es sie jetzt schon hier auf dem Blog zu lesen. 

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Weihnachten steht vor der Tür. Der Kindheitsheld Rolf Zuckowski fragt auf meiner vergötterten Dezemberträume-Kasette von 1993: „Weihnachten, was war das noch?“🎶 Ja, was? Mal davon abgesehen, dass er die Frage leider nicht beantwortet, sondern sich allein der Definition der titelgebenden Dezemberträume widmet („helle Sterne in der Nacht“ und „aus Musik und Licht gemacht“), bin ich mir selbst auch nach weiteren dreiundzwanzig Jahren eindringlicher Beantwortungsversuche vieler verschiedener Menschen nicht ganz sicher.

Es scheint generell ein Problem mit der Beantwortung ganz essenzieller Fragen zu geben. Schließlich beantwortet auch Haddaway die Frage nach dem Sein der Liebe 🎶 nur mit der Bitte an sein Baby, ihn nicht mehr zu verletzen. Und mit: Yeah, yeah.
Ich weiß noch nicht, was ich davon aufschlussreicher finde. Und es ist mir immer noch ein Rätsel, warum manche Menschen nach Monty Python immer noch nach dem Sinn des Lebens fragen. Es scheint also nicht ganz einfach zu sein, dasjenige zu beschreiben, was uns als selbstverständlich erscheint.

„An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu Christi.“, sagen die Christen. „Weihnachten ist nur der fiese Plan der katholischen Kirche gewesen, um das keltische Lichterfest zu verdängen. Jesus wurde nicht mal im Dezember geboren.“, sagen dann diejenigen Menschen, die meistens auch noch gleich hinterherwerfen, dass es an Weihnachten eh nur noch um Kitsch, Konsum und Geschenke gehe. Und natürlich haben sie ziemlich Recht.
Aber nur ziemlich. Denn Weihnachten ist die Zeit, in der ich beobachte, dass sich tatsächlich etwas tut. Sei es nur der kitschigen Weihnachtsfilmen wegen, aber viele Menschen sammeln Spenden und bemühen sich wirklich nett zu sein, bevor an Weihnachten selbst dann wieder alles komplett eskaliert. Aber man bemüht sich.

Meine persönliche Definition von Weihnachten erweitert sich jedes Jahr aufs Neue. Weihnachten ist, wenn alle unter den größtmöglichen Stresszuständen versuchen, ein Fest zu feiern, höflich zu bleiben und niemanden anzubrüllen, wenn Tante Frieda findet, die Kugeln am Baum passen so gut zusammen wie ihr selbst gemachter Salat zu dem gekauften Weißbrot — nämlich gar nicht —, wenn man versucht, im Regen von Geschenkpapier und neben dem völlig verstörten Kater, der weder den geschmückten Tannenbaum markieren, noch die witzigen Bälle von den unteren Ästen schubsen darf, jemandem in Ruhe ein Geschenk zu überreichen. Weihnachten ist, sich über Socken zu freuen und abends mit roten Wangen nach dem vierten Glas Rotwein im Bett zu liegen und zu denken: „Nur noch die Feiertage. Fast geschafft.“ Weihnachten ist wie ein Schnellzug aus Lichtern, Geschenken und Knödeln mit Blaukraut.

Kuscheliges Geschenkpapier

Der Kater Findus im Karton.

Und für dich? (Rolf, das ist dein Einsatz!)

„Weihnachten, was war das noch?

Denk’ schnell noch einmal nach.

Bestimmt wird die Erinnerung

in deinem Herzen wieder wach.“

Diese Kolumne ist erschienen in The Bugle, official Newspaper of Lost&Distorted.
Ausgabe °8


 

Gudrun Sjördén Weihnachtsstern

Currywurst, Magie und ein Schloss

Während andere im November eine Erkältung verschleppen, verschleppe ich Blogbeiträge.

Vorletztes Wochenende war ich mit meiner Familie in Nürnberg und auf der Winterträume Messe in Stein im Schloss Farber-Castell. Als Mama gefragt hat, ob ich mit möchte, musste ich nicht lange überlegen: das wunderschöne Nürnberg, eine Winterweihnachtsmesse und ein ganzes Schloss für Stifte. Glücklicher kann man mich kaum machen.
Dachte ich.
Denn es gab Currywurst mit Pommes. Es gab die beste Currywurst mit Pommes.

Wurstdurst im Herzen Nürnbergs in der Luitpoldstraße hat nicht nur verschiedene Wurstsorten auf Lager, die mit unglaublich guten belgischen Pommes serviert werden, sondern auch die besten Saucen und Dips, die ich jemals zu einer Currywurst gegessen habe. Und Blaubeereistee.
Auf Empfehung meines Nürnberger Bruders gab es eine Berliner Currywurst ohne Haut mit Pommes und Mayonnaise. Weil ich mich nicht zwischen der Ananas-Mango-Curry-Variante und der Honig-Senf-Mayonnaise entscheiden konnte, habe ich von einem sehr netten und überaus verständnisvollen Mitarbeiter beide bekommen. Zum Glück! Jede hatte etwas ganz eigenes und ich kann euch gar nicht sagen, welche ich besser finde. Bei meinem Papa habe ich mir dann noch etwas von dem Pflaumenketchup ergaunert, was genauso spitze war.
Ich esse nicht oft Fleisch, aber habe mich gerne zum Probieren verführen lassen und selbst die Freundin meines Bruders, die Vegetarierin ist, kommt trotzdem gerne zum Essen, weil die Pommes so lecker sind. Ich wünschte, der Foodtruck käme auch mal nach Würzburg. Falls ihr ihn mal seht: lauft, Kinder, lauft hinterher! Es lohnt sich.

Falls ihr übrigens einmal einen Zauberer sehen solltet, lauft auch hinterher. Diesen hier habe ich mitten in der Nürnberger Altstadt entdeckt und war hin und weg. Wenn du Kinder (auch die, die noch in den Erwachsenen stecken) zum Lachen und zum Staunen bringen kannst, bist du ein Zauberer.

Wenn man mit meiner Mama in Nürnberg ist, gibt es mehrere Läden, in die man gehen muss, wenn man wieder im Auto mit nach Hause genommen werden möchte. Einer davon ist Gudrun Sjödén am Josephsplatz. Meine Mama ist wohl der einzige Mensch auf Erden, der ohne mit der Wimper zu zucken in diesem Laden leben würde. Von meinen Brüdern  wird er der Einfachheit halber nur noch „der Hippieladen“ genannt. Der Rest der Familie bewundert jedes Mal wieder, dass der mit damals zwölf Jahren Jüngste der Familie einmal drei Stunden mit im Gurdrun Sjödén Outlet saß ohne den Verstand zu verlieren.

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Auf dem Bild seht ihr übrigens ein wunderschönes Portrait der mexikanischen Malerin Frieda Kahlo, die sich die schwedische Designerin Gudrun Sjödén für ihre Kollektion als Inspiration ausgewählt hat.
Frida Kahlo ist die mit Abstand bekannteste Malerin Mexikos und vielleicht sogar ganz Lateinamerikas.
Gudrun Sjödén ließ sich bereits 2006 von Frida Kahlo zu einer besonderen Kollektion inspirieren. Die bunten Farben und Muster, die immer ein Markenzeichen der Designerin sind, passen überraschend gut mit denen der mexikanischen Malerin zusammen.

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Adventsstern von Gudrun Sjödén

Dieses Mal habe ich mir sogar auch etwas gekauft. Einen Stern, der jetzt unsere Flurlampe ist. Das kann man schon mal machen im Advent, finde ich.

Ein weiterer Lieblingsladen meiner Mama, Tante und Oma (es scheint einen Zusammenhang in der Familie zu geben) ist Grüne Erde in der Vorderen Sterngasse. Abgesehen von einem Couchtisch namens Timo und einem ganzen Sack voll Zirbelholzspähne hat mich aber nichts so sehr in Versuchung geführt es zu kaufen. Ich brauche mein Geld ja noch für die Winterträume Messe und —  wichtiger — für Stifte.

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Grüne Erde in Nürnberg

Die Winterträume Messe auf dem Gelände des Faber-Castell-Schlosses war wirklich sehr schön, aber für meinen Geschmack viel zu überfüllt. Besonders die Verkaufsräume im unteren Teil des Schlosses wurden nur so von den Besuchern überrannt, was in mir mehr Stress als weihnachtliche Gefühle ausgelöst hat. Im ersten Stock habe ich mir allerdings mit meinem Papa die beeindruckenden Wohnräume von Graf und Gräfin von Faber-Castell angesehen, in denen zum Glück nicht so viel los war, allerdings auch leider nicht fotografiert werden durfte. Bilder vom Schloss findet ihr aber hier.
Mein Highlight auf der Winterträume Messe war der Farber-Castell-Shop, der in einem eigenen kleinen Häuschen neben dem Schloss ist. Ein ganzer Laden nur mit Stiften, Farben, Kohle und allem  erdenklichen Zubehör: ein Traum! Auch die Liebe zu Zeichenzubehör und Farben liegt in meiner Malerfamilie wohl im Blut. Wir haben zusammen bestimmt soviel ausgegeben wie andere Familien für ein gutes Mittagessen in einem Restaurant.
Die kleinen Pavillons mit den Ausstellern auf dem Schlossgelände waren alle sehr liebevoll gestaltet und die Auswahl an schönen Dingen war groß. Neben Weihnachtsdekoration, Lichtern, Schmuck und Kissen gab es auch Mandelstollen, fantastisches heißes Gulasch und weißen Casteller Glühwein. Ein besonders nettes Gespräch hatte ich mit Fräulein Tapir aus Nürnberg, die einzigartigen und wunderschönen Schmuck aus Holz und Beton und zarte Halsketten und Armbänder verkauft und in der Adventszeit viel auf ganz unterschiedlichen Weihnachts- und Adventsmärkten unterwegs ist.

Ich freue mich schon sehr auf die ganzen anderen Weihnachtsmärkte, die ich dieses Jahr noch besuchen werde. Vielleicht nehme ich euch ja schon bald  wieder mit.

Es ist Sonntag: OKTOBERWALD

Hallo an alle Laubsammler und Kastanientierarchitekten,

der Nikolausberg in Würzburg hat sich in sein buntestes Kleid geworfen und zeigt sich von einer ganz anderen Seite. Der Herr Timo und ich gehen gerne hier oben an der Frankenwarte spazieren und schauen, was es so zu sehen gibt. Ich nehme euch mit auf einen Spaziergang. Also: Schuhe aus, Füße hoch und tief die Herbstlust einatmen!

Es ist übrigens gar nicht so einfach, sich selbst zu filmen, wenn man nicht weiß, mit wem man eigentlich spricht. Lustig ist es aber auch.


Nasse Stiefel im Laub, Herbst, Bad Mergentheim

Es ist Sonntag: Im Garten

Heute war ich bei meinen Eltern zu Besuch und bin mit Stiefeln hinters Haus gestapft. Es ist Oktober. Der Nebel schleicht in die Täler, das Laub brennt feuerrot und der Ginko strahlt leuchtend in sattem Gelb. Wie sagten Sie noch gleich, Herr Mörike?

Im Nebel ruhet noch die Welt,
noch träumen Wald und Wiesen;
bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
den blauen Himmel unverstellt,
herbstkräftig die gedämpfte Welt
in warmem Golde fließen.
                                   Eduard Mörike 1827


Cupper Tee verschiedene Designs und verschiedene Sorten, Good Morning, Zen Balance, Keep Calm, My Time, Good Night

Tässchen Tee und Farbenspiele

Ach, wie schön. Das brauche ich!
Ich bin ein Opfer des Verpackungsdesigns. Für Menschen wie mich gibt es die schönen Schachteln und weichen Tütchen, bedrucktes Papier und flatternde Fähnchen. Ich glaube, dass wegen mir der Studiengang Verpackungsdesign niemals aussterben wird. Ich werde garantiert immer von dieser kapitalistischsten Form der Ästhetik angezogen.

„Ach, schau mal, Herr Timo, wie hübsch!“ „Ja, aber das brauchen wir doch nicht, oder?“ „Hm, nein, aber es ist doch so hübsch. Schau doch mal!“ „Ja, es ist ganz toll, aber wir kaufen heute kein Hundefutter. Wir haben keinen Hund.“
(Dieser Dialog ist frei erfunden und alle Personen, die etwas anderes behaupten sind blöd.)

So kommt es vor, dass ich schmachtend vor Regalen stehe wie vor einem Monet und gänzlich in Kontemplation versinke. Hach. Wie schön…
Ab und zu lasse ich mich sogar so sehr von der Verpackungsästhetik hinreißen, dass ich mich plötzlich mit dem Produkt vor der Kasse wieder finde. Im besten Fall handelt es sich dann natürlich um etwas, das ich tatsächlich brauche und sogar gekauft hätte, wenn es weniger schön gewesen wäre, weil es mich mit seinen inneren Werten überzeugt.
Nun ist es so, dass ich außerdem sehr gerne Tee trinke. In eine hübsche Teeverpackung bin ich also gleich doppelt verliebt und ich muss gestehen, es hat mich dieses mal gleich mehrfach erwischt. Der Verpackungsdesign-Amor hat es zu gut mit mir gemeint.

Cupper Tee aus Dorset in England und ich: das war Liebe auf den ersten Blick.

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Nachdem ich mir über ein paar Wochen hinweg immer wieder eine andere Packung in mein Teeschränkchen gestellt habe und meine Lieblingssorten immer wieder nachgekauft habe, kann ich ganz ehrlich sagen, dass es sich hier nicht um eine stürmische Liebschaft, sondern womöglich sogar um eine waschechte Langzeitbeziehung handelt. Die Cupper Teesorten schmecken nämlich auch noch fantastisch, der Tee wird fair gehandelt und die Zutaten stammen aus biologischem Anbau. Schön und gut. Und bunt.

Also immer nur her damit!

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