Über Zufriedenheit

Vor einiger Zeit habe ich mich gefragt, was Glücklich-Sein eigentlich bedeutet und auch, ob es nicht das gleiche ist wie Zufrieden-Sein. Denn immer wenn ich versuche zu erklären, warum oder wann ich glücklich bin, komme ich um das Gefühl der Zufriedenheit nicht herum. Einen großen Unterschied sehe ich trotzdem zwischen dem Glück und der Zufriedenheit. An meinem Glück kann ich nichts ändern, ich kann es nicht beeinflussen, nicht steuern, ich habe es nicht selbst in der Hand. Ob ich aber zufrieden bin, liegt oft einfach nur an mir, an meiner Reaktion auf bestimmte Situationen, meinem Engagement oder meiner Zuversicht. Auch, die Zufriedenheit einfach einmal zuzulassen liegt an mir. Nichts zu tun und sich ihr hingeben ohne schon dem nächsten Projekt hinterher zu eilen oder sie gar nicht erst richtig wahrzunehmen.

Ich bin zufrieden, wenn ich das Gefühl habe, gerade ist alles gut, die Welt ist ein schöner Ort, ich bin in der Natur und lasse für einen Moment alles hinter mir. Ich bin aber auch zufrieden, wenn ich an einem Abend auf dem Sofa liege, die Raumtemperatur gerade perfekt ist (ein oft vernachlässigter Wohlfühlfaktor) und ich eine ganze Tafel Schokolade esse (ein überstrapazierter Wohlfühlfaktor). Ich bin zufrieden, wenn ich etwas Schlaues gesagt habe und wenn ich meinen Kater zwischen den Ohren kraule.

Manche Menschen sind nur zufrieden, wenn sie etwas Neues tun. Etwas ausprobieren, etwas wagen, sich etwas trauen. Andere sind zufrieden, wenn sie Zeit für sich haben und erst gar nicht die eigenen vier Wände verlassen müssen. Manche sind einfach nur zufrieden, wenn sie mal fünf Minuten Zeit für einen Kaffee und eine Zigarette haben (Danke, Mama!).

Wenn wir allerdings immer nur das Gleiche für unsere Zufriedenheit tun, nehmen wir sie vielleicht irgendwann gar nicht mehr so richtig wahr. Das Zufrieden-Sein gehört dann zum Alltag dazu, wir werden unzufrieden, obwohl wir doch zufrieden sein müssten. Unzufrieden mit dem Job oder dem Studium, das uns gerade nervt, obwohl wir uns eigentlich mal darauf und darüber gefreut haben, das zu tun, was uns Spaß machen sollte. Unzufrieden mit dem Freundeskreis, der irgendwie eingeschlafen ist, obwohl man sich doch eigentlich im Zweifelsfall blind auf jeden Freund verlassen kann, wenn man sich nur mal meldet. Unzufrieden mit sich selbst, obwohl man das doch eigentlich ganz allein in der Hand hat. Wenn du immer nur das tust, was du auch schon immer getan hast, dann bekommst du auch nur immer das, was du immer bekommen hast. Bist du unzufrieden? Dann mach‘ etwas anderes. Oder mach‘ bewusst etwas, das eine Zufriedenheit in dir auslöst. Spaziergang? Käffchen? Zigarette?

Diese Kolumne ist erschienen in The Bugle, official Newspaper of Lost&Distorted.
Ausgabe °6


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2 Gedanken zu “Über Zufriedenheit

  1. Der kleine Mann im Kopf schreibt:

    Ich glaube du hast recht. Wir werden unzufrieden, obwohl eigentlich alles ist wie immer. Ich glaube das liegt daran, dass wir als Menschen (zumindest die meisten) immer ’streben‘. Das bedeutet aber auch, dass wir immer mehr wollen und regelmäßig unseren ‚Fix‘ brauchen, wie auch immer der geartet ist.

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  2. Telse schreibt:

    Hallo Frau Zunder, du sprichst mir aus der Seele. Ich bin total zufrieden. Habe einen wunderschönen Herbstgarten gestaltet. Gerade könn ich mir ein zweites Frühstück. DANKE FÜR DIE SCHÖNE GESCHICHTE. ❣❣❣

    Gefällt 1 Person

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