Social Media Detox – Ein 7-Tage-Experiment

Wie ist es, auf etwas zu verzichten und festzustellen, dass man abhängiger ist als man dachte? Woran du merkst, dass du Social Media süchtig bist und was du tun kannst, um im Alltag mehr Zeit für dich zu gewinnen. Für die einen mag es kein Problem sein, für andere ist es eine Herausforderung. Wir stellen uns gemeinsam.

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Instagram, Facebook, Twitter: Bin ich süchtig?

Es war nicht das erste Mal, dass ich darüber nachdachte, meine Social Media Apps zu löschen und es ist irgendwie bezeichnend, dass mir Instagram selbst den finalen Anstoß gab, mich mit meinem Konsum von Sozialen Medien auseinanderzusetzen. Mirella Obert*, die mich seit einem Jahr auf YouTube begeistert wie keine andere, war diejenige, die in ihrer Instastory ankündigte, sich für eine Woche aus Instagram zurückzuziehen, um eine Social Media Entgiftungskur zu machen.

Könnte ich ja mal ausprobieren, dachte ich wahrscheinlich, als ich weiter und weiter wischte, tiefer und tiefer scrollte und es im Mahlstrom irgendwo zwischen einem Bild mit unnatürlicher Körperhaltung und einem mit einem perfekt eingerichteten und aufgeräumten Kinderzimmer vergaß. Irgendwann war Mirella wieder da und wir alle hatten genauso viel von ihr verpasst wie sie von uns: nämlich nichts.

Es machte – Klick –

Als ich kurz darauf an einem Sonntag Nachmittag Mirellas Video zu ihrer Woche ohne Social Media gesehen habe, hat irgendwas geklickt. Es hat so sehr geklickt, dass ich eine Stunde später beim Kochen selbst eine Story auf Instagram gepostet habe, in der stand, dass ich eine Woche lang detoxen werde. Das hatte zwei Gründe. Der dämlichere von beiden war, dass ich dachte, jemand könnte es mir übelnehmen, wenn ich auf ein in dieser Zeit gepostetes Bild nicht reagiere oder dass mir jemand Nachrichten schicken oder mich verlinken könnte und sich daraufhin wundern würde, dass ich gar nicht darauf reagiere. Wenn ich allerdings vorher gepostet hätte, dass ich nicht erreichbar sein würde, könnte mir ja niemand einen Vorwurf machen. (Ja, so ungefähr spielte sich das in meinem Kopf ab. Tada!)

Social Media Detox

Story auf Instagram – Bye Bye!

Der zweite Grund war allerdings gar nicht so dämlich und ein bisschen hobby-psychologisch. Ich dachte nämlich, dass, wenn ich schon ankündige eine Woche lang nicht online zu sein, sich die Leute wundern würden, die es gesehen hätten, wenn ich etwas von ihnen liken oder deren Stories ansehen würde. Klar ist es dämlich, weil es niemanden interessiert und am Mittwoch schon mal gar niemand mehr weiß, was ich am Sonntag gepostet habe. Aber es könnte ja sein. Die Hemmschwelle sich doch einzuloggen wird größer.
Also habe ich die Story gepostet und aus Reflex nach unten gescrollt. Erst nach ein paar Sekunden fiel mir ein, dass ich das ja eigentlich nicht machen wollte. Ein Grund mehr eine Zeit lang zu verzichten, wenn die kognitive Intelligenz beginnt der eines Goldfisches zu ähneln.
Das letzte Foto, dachte ich, als ich es schweren Herzens herzte, war eines von einer Bloggerin, die gerade ihr Baby bekommen hatte. Na wenigstens das verpasst du nicht, dachte ich, schloss die App und löschte sie von meinem Telefon. Daraufhin folgten Facebook, Twitter und der Facebook Messanger, den ich aber gleich wieder installierte, weil ich nur so manche Menschen in meinem Umfeld erreichen kann. Bisschen zu enthusiastisch gewesen. Pinterest durfte unter dem Vorwand bleiben, dass es nicht wirklich sozial ist und eher der Inspiration dienen würde. Irgendwelche Bilder muss ich scrollen, sonst drehe ich durch, dachte ich.

Mein Name ist Susan. Und anscheinend habe ich ein Problem.

Daraufhin folgte ein knallharter Entzug. Erste Erscheinungen traten schon auf, nachdem ich die Apps gelöscht hatte und das Smartphone noch in der Hand hielt. Wie viele Menschen und wer hatte meine Story schon gesehen? Bei dem Gedanken ertappt, legte ich das Smartphone erschrocken und wütend auf die Küchentheke: Wie süchtig bin ich eigentlich?

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Eine Instagram-Entgiftungskur kostet nur einen beherzten Klick.

Sehr süchtig. Nach der Ablenkung in der Küche mit Kochen und Harry Potter Hörbuch kam irgendwann der Herr Timo nach Hause und nachdem wir zusammen zu Abend gegessen hatten und fernsahen, musste ich schon wieder an die Story denken. „Timo, schau mal meine Story an!“, schlug ich vor. „Kann man sehen, ob sie schon jemand gesehen hat?“ „Aha.“, meinte Herr Timo. „Social Media Detox.“ „Eine Woche!“, ergänzte ich. „Das ist bestimmt gut.“, meinte er und merkte nicht einmal wie er routinemäßig ein paarmal nach oben wischte.

So sehe ich also dabei aus, dachte ich und erinnerte mich an alle Momente in denen ich minutenlang – manchmal noch mit Jacke an – im Flur stand, nachdem ich nach Hause gekommen war und erst einmal scrollte. Die Momente, in denen ich in der Küche stand – mitten im Raum – und swipte. Die Momente, in denen ich nachts – direkt vor dem Schlafen gehen – noch hunderte Eindrücke in mein Gehirn presste. Die Momente, in denen mir Bilder angezeigt wurden, die ich schon geliked hatte, aber an die ich mich nicht einmal mehr erinnerte. An die Momente, in denen ich nur auf die Uhr sehen wollte und aus Gewohnheit Instagram oder Facebook öffnete. An die Momente, in denen ich die App gerade geschlossen hatte und sie reflexartig gleich wieder antippte.

So much fun!

via Giphy. Künstler*in unbekannt.

In diesem Moment wurde mir klar, dass ich mich verhalte, wie jemand der regelmäßig und kontinuierlich auf Drogen ist. Es machte mir Angst und ich schämte mich sogar vor mir selbst. Das kann doch nicht sein, dass ich so bin. Obwohl ich glaube, nicht einmal so oft auf mein Smartphone zu sehen wie viele andere. Manchmal liegt es stundenlang irgendwo herum. Manchmal muss ich es suchen und finde es nur, weil ich über meinen Laptop ein Signal darauf abspielen kann.

Nach diesem Schock ging es besser. Es ist eine Woche, dachte ich. Nur eine Woche auf etwas verzichten, das absolut unnötig ist, das mir Zeit stiehlt und mich permanent in Relation setzt. Also bitte, Susan. Ich lehnte mich wieder zurück und sah fern. Später, als ich doch noch mehrmals reflexartig und aus Gewohnheit meine Fotos App öffnete, weil sie an die Stelle gerutscht war, an der vorher Instagram angeordnet war und immer wieder auf dem Home-Bildschirm von links nach rechts wischte, erschien mir mein Smartphone so nutzlos und langweilig wie niemals zuvor. Gleichzeitig bemerkte ich aber den riesigen Vorteil, den ich mir erhofft hatte, und von dem ich nie gedacht hätte, dass er sich so schnell einstellen würde: Ich hatte Zeit.

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Kopf gerade: 45° Winkel muss abtrainiert werden.

Wie das bei einem Entzug so ist, sind die ersten Tage, in denen die Wirkung des letzten Mals verklungen ist, die schlimmsten. Immer wieder wollte ich aus Gewohnheit die App öffnen, immer wieder sagte ich mir selbst: Nein!

Gewonnene Zeit und Platz im Kopf

Dann hatte ich das Gefühl, Platz in meinem Kopf zu haben, den ich wirklich gut brauchen konnte. Ich schaute trotzdem Videos, aber ich suchte sie mir auf YouTube selbst aus und unterwarf mich keinem Autoplay, das auf Facebook ein Video nach dem anderen abspielt oder eine Story nach der anderen auf Instagram anzeigt. Ich verbrachte immer wieder ein bisschen Zeit auf Pinterest, das mich nicht so einnahm wie die anderen Apps und das ich tatsächlich für Inspiration nutzen konnte. Ich suchte nach „Handlettering“ oder „Bullet Journal“, nach „Cat“ und „Illustration“, nach „Motivation“ und „Meditation“. Ich pinnte ein paar Einträge und schloss die App wieder. Ich nutzte sogar den Inhalt, malte Schriftzüge nach und schmunzelte über niedliche Katzen-Illustrationen.

An meinem Laptop öffnete ich Instagram, Facebook und Twitter auch nicht. Ich loggte mich überall aus und schaffte es auch allein durch Willenskraft, mich nicht wieder einzuloggen.

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Ich habe besseres zu tun als anderen dabei zuzusehen, wie sie das machen, was ich gerne würde.

Mittlerweile bemerkte ich, wie es mich sogar nervte, wenn mir auffiel, wie andere dastanden, so verloren, so völlig aus ihrer Gegenwart und ihrer Existenz gerissen mit dem Smartphone in der Hand, leerem Blick und ausdruckslosem Gesicht. Die Augen nur auf dieses kleine Rechteck geheftet, tief in dieser winzig kleinen Bildschirmwelt gefangen. Ich fühlte mich, als hätte ich eine von der Erkenntnis geknallt bekommen. Ich fühlte mich stark, weil ich die einzige war, die an der Bushaltestelle geradeaus blickte und mein Kopf nicht in einem 45° Winkel nach unten geneigt war. Ich war so stolz auf mich, dass ich schon merkte, dass nicht mehr viel fehlte um arrogant zu sein. Als hätte ich sonst etwas geleistet.

Demütig erinnerte ich mich daran, den Blick nicht auf die anderen, sondern wieder auf mich selbst und insbesondere in mich hinein zu werfen. Das war es doch, worum es gehen sollte.

Schon im Februar hatte ich wieder begonnen mehr zu lesen und nun hatte ich noch mehr Zeit dafür. Viel mehr Zeit. Ich beendete ein Buch und fing ein neues an. Ich hatte es immer bei mir, las fünf Minuten im Bus, fünfzehn Minuten in der Bahn, las jedes Mal, wenn ich mich irgendwo hinsetzte. Ich sah mir online Ted Talks an, arbeitete, nahm mir bewusst Zeit für eine Schale Kaffee bei guter Musik. Ich fühlte, dass es mir richtig, richtig gut tat zu verzichten, und merkte irgendwann gar nicht mehr so sehr, dass etwas fehlte.

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Wer weniger am Smartphone hängt, hat mehr Zeit für andere Dinge.

Am Samstag Abend fuhr ich mit dem Herrn Timo in der S-Bahn nach Hause. „Stört es dich, wenn ich am Handy bin?“ „Nö.“, meinte ich. „Willst du mitschauen?“ „Ok.“, sagte ich. Er öffnete Instagram und ich war erstaunt, wie interessant es plötzlich war. „Wow.“, sagte ich. „Das ist ja cool. Da ist ein Hund, der den Kaffee trinken will, ist ja witzig!“. „Ach ja stimmt.“, lachte Herr Timo. „Wie lange geht dein Detox noch?“ „Heute, aber ich schaue ja nur bei dir mit.“
Wir schauten zusammen Bilder auf Herrn Timos Barista-Profil an und ich war sofort im Modus. „Das solltest du liken.“, meinte ich als wir ein Latte-Art Video ansahen. Herr Timo likete. „Nicht so schnell scrollen, bitte.“, bat ich.

Digitale Schöne Neue Welt

Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mich so viele Bilder gleich so überfordern würden. Ich sah sie anders an wie vor einer Woche – ich sah sie wirklich an. Wir nahmen uns für jedes Foto ein paar Sekunden Zeit, wir unterhielten uns über manche Dinge, die wir sahen, wir entschieden gemeinsam, ob wir etwas liken sollten (– im Zweifel immer, denn es kostet ja nix und ich weiß so gut wie alle Digital Na(t)ives, wie sehr man sich über ein Like freuen kann).
Was für ein schöner Einstieg zurück in die Digitale Schöne Neue Welt, dachte ich, als die S-Bahn anhielt und der Herr Timo sein Smartphone zurück in seine Tasche packte.

Erstaunlicherweise installierte ich Instagram erst am Samstag Abend, obwohl ich vor einer Woche dachte, ich würde es gleich morgens wieder herunterladen. Aber morgens wollte ich schließlich lesen und in Ruhe meinen Kaffee trinken und den Tag über hatte ich auch genug andere Dinge zu tun. Abends nahm ich mir dann ein bisschen Zeit und schaute auf ein paar Profilen, was ich wohl so verpasst hatte. (Nichts.) Ich sah mir ein paar Stories an und erwischte als erstes gleich eine von einer meiner Lieblings-Storytellerinnen. Sie erzählte, dass ihr in der letzten Woche gar nicht nach Instagram zumute war und ich war ein bisschen froh, nicht einmal etwas von ihr verpasst zu haben.

Die Woche war für mich also ein voller Erfolg. Ich habe gemerkt, wie sehr ich an Instagram und Facebook gewöhnt bin, ich habe bemerkt, wie süchtig ich nach Social Media sein kann. Ich habe gelernt, wie schön es ist, die Zeit anders zu nutzen und wie gut es tut, nicht den ganzen Tag Bilder und Erfolge und bildschöne erfolgreiche Menschen auf gestellten Fotos zu sehen.
Das alles ist nun zwei Wochen her und ich habe mich bewusst dazu entschieden, nicht komplett auf Social Media zu verzichten.

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Nachdem wir uns selbst einer neuen Herausforderung gestellt haben, verändert sich oft die Perspektive. Auch bei etwas so Nichtigem wie dem Digital Detoxing.

Was hat sich also im Vergleich zu vorher geändert?

Was ich jetzt anders mache

Bis heute habe ich Facebook und Twitter nicht wieder auf meinem Smartphone installiert. Ich brauche es da einfach nicht. Ich schalte auf meinem Smartphone meistens erst irgendwann um neun den Flugmodus aus und bin nach dem Aufstehen erst einmal eineinhalb bis zwei Stunden offline. Abends schalte ich den Flugmodus manchmal auch schon an, bevor ich ins Bad gehe.

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via giphy von palerlotus

Ich merke immer noch, dass ich bewusster mit den Inhalten umgehe als zuvor. Ich nehme mir mehr Zeit für die Fotos, die gepostet werden und entfolge den Accounts, die mich im Moment nicht interessieren. Je weniger Input, desto besser.
Ich stehe nicht mehr so oft wie ein Zombie in Türrahmen oder im Flur und starre gedankenverloren in diesen kleinen Bildschirm hinein. Wenn ich mich dabei erwische, höre ich sofort damit auf und lege mein Smartphone weg.

Ich kann dir eine Social Media Auszeit auf jeden Fall empfehlen. Und falls du denkst: „Das brauche ich nicht.“, dann rate ich dir, einfach auszuprobieren, ob du damit tatsächlich recht hast. Probiere es für 24 Stunden aus und passe die Auszeit an dich an. Welche Apps sind Zeitdiebe auf deinem Smartphone? Welche Apps lösen ein leichtes Unbehagen in dir aus? Instagram? Snapchat? Twitter? Games? Facebook?

Und falls du merkst, dass dir diese 24 Stunden doch schwerer fallen, als du ursprünglich vermutet hast, probiere es doch mal für eine ganze Woche aus. Fordere dich selbst heraus, stell dich der Challenge – und das einmal ganz alleine.

Lass es passieren

Susan

* 😏
** alle Fotos von mir in diesem Artikel sind gestellte Symbolfotos, die ich selbst gemacht habe, während ich so getan habe als würde ich verträumt aus dem Fenster sehen. Sie sind nur ansatzweise spontan und ich habe bestimmt 3x mehr gemacht als letztendlich im Blogpost gelandet sind.

 


 

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Innerlich – Die Reise zu dir #1

Neues Format? Neue Idee? Wenn nicht hier ausprobieren, wo denn dann, Freunde der Sonne? In den letzten Monaten habe ich mich viel gefragt und manchmal ganz verschiedene Antworten gefunden. Vielleicht kann ich was davon teilen. Vielleicht kann ich die Geschwindigkeit in deinem Alltag ein bisschen bremsen und dich und mich dazu ermutigen, öfter mal innezuhalten. Um zu erkennen, um sich zu öffnen oder um loszulassen.
Ich kann nur anders auf das Außen blicken, wenn ich zuerst nach Innen sehe. Schau doch auch mal, was da so bei dir los ist.

© Livia Falcaru

Niemals hätte ich gedacht, wie anstrengend so eine 40 Stunden Woche tatsächlich ist, wenn man versucht, nach der Arbeitszeit noch andere Dinge zu tun. Die Idee, an den Abenden mein Französisch aufzufrischen, habe ich schon nach wenigen Tagen verworfen. Ich scheitere schon daran, alle Freunde und meine Familie regelmäßig anzurufen.

Ich bin mehr allein als sonst, obwohl ich in dieser großen Stadt von sehr vielen Menschen umgeben bin. Und obwohl ich mich der neuen Wohnung und einem alleinbestimmten Tagesablauf mit dem Herrn Timo entgegensehne – überhaupt, ihn wieder jeden Tag zu sehen! – versuche ich für das Hier und Jetzt dankbar zu sein, loszulassen und etwas zu Lernen. Insbesondere etwas über mich. Ich suche mir aktiv Momente der Ruhe, gehe mit inspirierenden Podcasts spazieren und höre Musik. Was will ich eigentlich? Wo will ich eigentlich hin? Und was möchte ich tun? Das sind alles Fragen, die sich jeder Mensch immer wieder stellen sollte. Ich bin nicht die, die ich vor zehn, vor fünf oder vor einem Jahr war. Ich verändere mich, kann Neues beginnen oder Altes aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten, wenn ich mir die Zeit dafür nehme, in mich zu gehen und mir selbst genau zuzuhören. Magenknurren zählt übrigens nur halb.

Sich in Momenten verlieren zu können und mit neuen Ideen zurückzukehren ist etwas sehr Bereicherndes. Ich bin froh, dass diese Zeit in Hamburg es gerade schafft, mich jeden Tag zu inspirieren. Ich habe tausend Ideen. Nur keine Zeit.

Trotzdem verstehe ich jeden Tag ein wenig mehr, was ich eigentlich möchte und das ist wirklich sehr motivierend. Ich weiß, dass nach der befristeten Berufserfahrung, die ich im Moment mache, die Zeit kommen wird, in der ich mich neu orientieren, ausrichten und entfalten darf. Ich vertraue darauf, dass es gut werden wird. Ich bin mir sicher, dass ich irgendwann das tun werde, was nicht nur für mich, sondern für viele Menschen um mich bereichernd sein wird.

Lass’ doch auch mal deinen Gedanken freien Lauf und hör in dich hinein. Wie geht es dir eigentlich gerade? Was möchtest du gerne tun? Hast du dich verändert?
Du brauchst nicht sofort Antworten auf deine Fragen. Wichtig ist, dass du dir zuhörst. Vielleicht auch, dass du lernst, dir zuzuhören und auf dich selbst zu hören.

Um deine Gedanken ein bisschen loszulassen und das Schwere ganz leicht werden zu lassen, habe ich ein wundervolles Video für dich. Ton und Vollbildmodus an und sich treiben lassen. Konzentriere dich auf das, was du siehst und dann frage dich mal selbst etwas. Als ob du eine Freundin oder einen Freund fragst.

Lass es passieren
Susan

 


 

Bester Kaffee in Hamburg bei less political

Eintauchen, Abschalten, Glücklich-Sein: In Parallelwelten dem Alltag entfliehen

Parallelwelten sind hypothetische Universen außerhalb des uns bekannten und nicht wenige Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass es sie tatsächlich geben könnte.

In meinem Alltag habe ich einen kleinen eigenen Platz für meine Parallelwelten geschaffen. Meine Parallelwelten sind Orte und Momente, die meistens an Orte gebunden sind, an denen ich mich, sobald ich mich dort befinde, absolut glücklich fühle. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie unvermittelt anders sind, mich aus dem Jetzt meines Alltags reißen und mich auf eine gewisse Weise, erden und zugleich beflügelnd inspirieren. In solchen Parallelwelten fühle ich eine tiefe innere Zufriedenheit und die Gewissheit, dass irgendwie alles gut werden wird.

Wo findet man Orte der Ruhe und der Inspiration?

Ganz so einfach ist es manchmal gar nicht, kleine persönliche Parallelwelten zu finden. Manche entstehen einfach so, ganz plötzlich, weil man mit einem netten Menschen auf einer Mauer in der Sonne sitzt und sein Lieblingseis isst. Manchmal sind sie wie eine Reise durch den Kaninchenbau und man gelangt völlig zufällig in einen Laden, in dem man noch nie war und aus dem man gar nicht mehr heraus möchte.

Manchmal kennen wir solche Orte genau und sie bleiben ein scheinbar ewiges Paralleluniversum – wie der eigene Garten, diese eine Parkbank oder der Besuch bei alten Freunden und der Familie.

Aber nicht nur die Orte selbst, sondern auch die Erinnerung an manche Momente sind eine Art von Paralleluniversum, die einen für eine kleine Weile aus dem Alltag entführen und neue Kraft mit auf den Weg geben.

Welche Erinnerungen machen dich besonders glücklich?

Es müssen gar nicht die größten Momente deines Lebens sein wie die Geburt deines Kindes oder deine Hochzeit. Auch nicht die Erinnerung an den Moment der Zusage des neuen Jobs oder ein großer Erfolg.

Kleine Inseln der inneren Ruhe findest du vielleicht an den winzigsten Orten in deinem Gedächtnis. Oft sind das Momente in deiner Kindheit und das ist kein Zufall. Als Kind staunen wir über die meisten Dinge, die uns heute als völlig normal und vielleicht sogar langweilig erscheinen. Alles war irgendwie magisch und besonders. Heute sind es oft die Momente, in denen wir uns wie ein Kind fühlen, die uns kleine Orte des Glücklich-Seins schenken: Mit Gummistiefeln in eine riesige Pfütze auf dem Parkplatz zu hüpfen oder mit jemandem über Unsinn zu lachen bis man Bauchschmerzen hat.

Ein paar meiner kleinen Erinnerungsschätze

  • Zeit bei den Großeltern. Gänseküken bei Oma und Opa beobachten und streicheln. Und Sommergarten mit Obsttellern und fernsehen bis zum Umfallen.

    Fotoalbum Mädchen neunziger Jahre Kleider mit Gänseküken

    Jep. War wohl hip damals.

  • Kaffeetrinken mit lieber Freundin im Dezember, Weihnachtsmusik, wunderschöne Gespräche und plötzlich ganz leise und sanft der erste Schnee vor der großen Glasfront. Perfekt.giphy-downsized
  • Als ich mit meinen Eltern und meinem Bruder im Urlaub im Allgäu war, waren wir immer mal wieder im Kutschenmuseum in Hinterstein. Ganz ehrlich: viel mehr kindertaugliche Erlebnis-Infrastruktur im Sommer war da auch nicht. Besonders einprägsam: der riesige Bauernschlitten und jede Menge ausgestopfter Tiere und verschiedenste Schaufensterpuppen mit starrem Blick. Furchtbar gruselig, aber genauso faszinierend einem Wolf direkt gegenüberzustehen, der fast genauso groß ist wie man selbst. Im Kutschenmuseum gibt es sogar eine künstliche Grotte und jede Menge Kunstschnee. Als Kind absolut faszinierend und ein bisschen unheimlich. Mit Mama und Papa aber kein Problem.

 

  • Bücher, die ich in besonderen Momenten gelesen habe. Oder Musik, die ich während bestimmter Zeiten gehört habe. Sie sind die allgemein anerkanntesten und alltäglichsten Parallelwelten, in die du reisen kannst. Wenn ich mich durch die Harry Potter Bücher lese oder höre, fühle ich mich auf eine ganz besondere Art zuhause.

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Orte in deiner Nähe

In deiner Nähe gibt es bestimmt Orte, an denen du dich einfach geborgen fühlst. Dein Lieblingscafé oder der Küchentisch deiner besten Freundin, der Walnussbaum, an dem du jeden Tag vorbeiläufst oder ein Blumenladen, in dem du einfach gerne bist.

So verschieden wir alle sind, so unterschiedlich sind auch die Orte, an denen wir uns wohlfühlen und inneres Glück spüren.

In Köln bin ich zufällig in der Papeterie Papelito gelandet, aus der ich gar nicht mehr heraus wollte. In Würzburg verzaubert mich das wunderschöne Café Vue mit Blick auf die Festung, das Käppele und den Main. In Rothenburg ob der Tauber, schreitet man auch im Hochsommer durch eine einfache Flügeltür und steht plötzlich in mehreren hundert Quadratmetern Käthe Wohlfahrts Weihnachts-Wunderland.

Hamburg: Plätze zum Wohlfühlen

In Hamburg sitze ich bei Trip-Hop-Jazz mit dem besten Kaffee Hamburgs und dem schönsten Barista der Welt (dem Herrn Timo natürlich) im Café less political und lese die Flow. Absoluter Hamburg-Tipp!

Bester Kaffee in Hamburg bei less political

Bester Kaffee in Hamburg

Ein weiterer Hamburg-Tipp zum Wohlfühlen und alles um sich herum vergessen ist definitiv die skandinavische Krimibuchhandlung mit Café JUSSI. Bianca hat ihre Hobbies zum Beruf gemacht, verkauft spannende Bücher skandinavischer Autoren, Filme und Handgemachte Geschenke. Außerdem gibt es die schönsten Kinderbücher von Astrid Lindgren bis Tove Jansson. Jeden Sonntag kann man Tartort schauen und dabei Brotzeit essen. Außerdem ist Sonntags Waffeltag.

Ja, ich war bis jetzt fast jeden Sonntag dort.

Kuchen im Krimi Café Jussi in Hamburg

Skandinavischer Karottenkuchen und ein Cappuchino – klasse Kombi!


Ein Moment der Ruhe

Kurze Pausen im Alltag geben uns neue Ideen oder lassen uns unbedingtes Glück spüren. Zwischen allen Dingen über die man sich den Kopf zerbricht oder die man nicht loslassen kann, bricht plötzlich Ruhe oder Faszination ein wie ein Regenschauer an einem warmen Tag. Diese Orte und Momente kann man aktiv aufsuchen, um sich ihnen hinzugeben, wenn man merkt, dass man das gerade braucht. Aber das schönste an der Idee der kleinen Parallelwelten ist ja eigentlich, dass sie jederzeit ganz plötzlich auftauchen und du in ihnen abtauchen kannst.

Lass es passieren.
Susan

 


 

Mensch, du Fliege!

Die Fliege summt ins Schlafzimmer und ich schließe genervt die Augen und senke das Flow Ferienbuch, das mich trotz des nassen Augusts in ruhige Sommerstimmung versetzt hat. Zumindest für wenige Minuten. Sie summt im Sturzflug knapp über meinem Kopf vorbei und gibt eine Spirale über meinem Wasserglas zum Besten. Dann schwirrt sie in die Nachttischlampe und das Summen bekommt einen zusätzlichen Hall-Effekt, stoppt dann kurz und setzt wieder ein, während die Fliege mit rieselndem Staub im Schlepptau wieder herausgetaumelt kommt.

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„Herr Timo!“, rufe ich. „Da ist eine Fliege!“ Herr Timo ist wenig daran interessiert. Er steht am Waschbecken und putzt seine Zähne. Nun ist das so, dass ich eine Fliege durchaus selbst erledigen könnte. Der Möglichkeit halber. Aber ich bin ein Mensch, der sämtliche Insekten (außer Blutsauger) vorsichtig einfängt und draußen wieder freilässt. Eine Fliegenklatsche haben wir nicht, sondern nur einen Insektenfänger, den mir meine Eltern in weiser Voraussicht geschenkt haben, als ich von Zuhause ausgezogen bin, damit das Kind alleine klarkommt. Wer aber schon einmal versucht hat, eine Fliege nicht zu erschlagen, sondern zu fangen, der weiß, dass das ganz schön schwierig ist. Der Herr Timo allerdings ist in dieser Technik äußerst bewandert und schafft es oft problemlos, eine Fliege im Flug zu fangen und dann vorsichtig nach draußen zu bringen.

Ich hätte ja auch gar nichts gegen eine Fliege, die lieb und nett an der Wand sitzt und mich nett grüßt, wenn ich ins Schlafzimmer komme. Aber ich ertrage kein Summen und Brummen. Insbesondere nicht nachts.

„Herr Timo!“ Ich stehe auf und öffne die angelehnte Badezimmertür. „Da ist eine Fliiiehge im Schlafzimmer. Und sie ist verrückt. Sie fliegt ohne Sinn und Verstand und in meine Lampe!“ Herr Timo ist leider wenig davon beeindruckt. Da summt es hinter mir und ich ducke mich. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie die verrückte Fliege über mir ins Badezimmer schwirrt.

„Danke! Du kannst sie ja jetzt einfangen!“, rufe ich als ich die Tür schnell zumache und mich wieder auf den Weg ins Schlafzimmer mache. Ich höre undefinierbare Geräusche im Bad, die Tür wird einen winzigen Spalt geöffnet: „Wie stellst du dir das bitte vor? Fang’ die Fliege? Sie sitzt an der Decke!“ (*Anmerkung der Autorin: Wir leben in einer Altbauwohnung mit 3,30m hohen Decken. Da hat selbst der große Herr Timo auf einem Stuhl nur begrenzte Chancen eine verrückte Fliege zu fangen.) „Ja, dann mach halt die Tür zu und wir fangen sie morgen!“, rufe ich schon unter der Bettdecke.

Natürlich vergessen wir am nächsten Tag, dass die Fliege im Bad ihr eigenes WG-Zimmer bekommen hat und ich erinnere mich erst wieder daran als sie uns beim Frühstück im Wohnzimmer Gesellschaft leistet. Irgendwie gehört sie jetzt auch dazu. Ich beobachte noch kritisch, ob sie auch ja nicht auf mein Brötchen fliegt, dann funktioniert unser Zusammenleben eigentlich ganz gut. Als ich mit später in der Küche einen Tee mache, kommt sie auch und begrüßt mich mit ihrem Summen. Dann besucht sie mich schließlich im Arbeitszimmer und meint: „Für heute reicht’s doch mal.“

Ich denke, man Fliege, schön, dass wir uns so aneinander gewöhnt haben. Wir kommen doch ganz gut aus miteinander. Flieg halt bitte nicht so ans Licht. Das ist nicht gut für dich.

Da sitzt sie am Fenster und ich finde, dass sie ganz schön müde aussieht. Hat sie überhaupt was gegessen oder getrunken? Fühlt sie sich hier wirklich noch so wohl?

Fliege Aquarell Wasserfarbe Illustration

Ich öffne einen neuen Tab. Stubenfliegen werden bis zu 28 Tage alt. Da schafft man selbst im Februar nur gerade so einen ganzen Monat. So gesehen, lebt die Fliege verglichen mit ihrer Lebenszeit schon viel länger mit uns zusammen als wir mit ihr. Sie muss unbedingt noch mehr sehen von der Welt, denke ich. Wer weiß, wie viele Tage sie schon alt ist. Hat sie überhaupt einen Geburtstag? Ich öffne das Fenster. Es regnet. Es ist kalt. Soll sie nur selbst entscheiden, was sie möchte. Wer was erleben will, muss raus aus der Comfort Zone.

Ich höre sie nicht mehr. Vielleicht ist sie nach draußen geflogen, vielleicht aber auch nur ins Wohnzimmer und schaut dort aus dem Fenster. Und denkt über ihr Leben nach.

Grönlandhai Auarell Wasserfarbe Illustration

Grönlandhaie können bis zu 400 Jahre alt werden und sind somit die ältesten, uns bekannten, Wirbeltiere der Erde. Im Vergleich zu ihnen ist unser Leben ruckzuck vorbei und trotzdem haben wir manchmal Langeweile und wissen nichts mit unserer Zeit anzufangen. Mensch, du Fliege, denke ich und hoffe, wir machen beide noch was Schönes draus aus diesem verregneten Tag.

Fliegenkumpel


 

Rosige Zeiten

Ich bin Feministin. Ich bin weder stolz darauf, noch schäme ich mich dafür oder möchte mich verstecken. Ich trete für die Rechte von Frauen und Mädchen ein, ich fordere die Gleichberechtigung mit Männern und Jungen. Ich bin gegen Sexismus – egal gegen wen er sich wendet (ja, auch gegen Männer). Ich bin der Meinung, dass Männer und Frauen und all diejenigen, die sich nicht einem der beiden Geschlechter zuordnen können oder möchten, mit gleichem Respekt und gleicher Würde behandelt werden sollten. Auch in Deutschland. Ich halte Liebe in allen geschlechts- und geschlechtslosen Formationen für gleichwertig. Ich möchte mich deshalb auch selbst nicht als heterosexuell definieren. Ich glaube, dass es engstirnig ist, Menschen nach Geschlecht oder Sexualität zu beurteilen oder zu bewerten. Ich glaube auch, dass jeder das tun sollte, was er kann um gegen Ungerechtigkeit oder Sexismus vorzugehen. Denn man muss keine unzähligen Lehrbücher gelesen haben, man muss nicht auf dem aktuellsten Stand der Debatten oder alles außer heterosexuell sein um sich der Relevanz der Thematik und der Diskussionen bewusst zu werden und etwas zu der Gleichberechtigung beizutragen. Die Gegenseite ist das nämlich auch nicht. Und der ist es egal.

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Soviel möchte ich vorweg schon einmal schreiben, bevor ich hier zum ersten Mal über ein Thema der Geschlechterforschung berichte und euch von der Gruppe Mädchen erzähle, der ich Freitag Nachmittag auf dem Weg nach Hause begegnet bin.
Die kleine Gruppe mit zwei Erzieherinnen kam mir an einer Ampel entgegen und die etwa zwölf um die fünf- bis sechsjährigen Mädchen liefen Hand in Hand in Zweiergrüppchen zwischen den beiden über die Straße. Jedes von ihnen mit Schildmütze und Rucksack. Und jedes dieser Mädchen trug rosa.
Nun ist es nicht so, dass alle Mädchen komplett in rosa oder pink gekleidet waren, aber, und ich habe mir jedes Mädchen angesehen, ohne Ausnahme trug jedes von ihnen mindestens ein rosa Textil am Körper. Manche von ihnen hatten rosa Leggins oder ein rosa T-Shirt an, aber auch diejenigen, die weiße Shirts und blaue Jeans trugen, hatten rosa Haarspangen, rosa Schildmützen oder große pinke Flächen auf ihren Rucksäcken, rosa Trinkflaschen oder pinke Schuhe und rosa Socken.
Die einzige Person, die gar kein rosa trug, war eine der Erzieherinnen. Ich musste kurz stehenbleiben. Wirklich kein einziges der Mädchen hatte das Haus heute Morgen ohne die Farbe Rosa verlassen. Kein einziges.

Jetzt könnte man natürlich einwenden, dass es mir nicht aufgefallen wäre, wenn alle Mädchen etwas blaues oder gelbes getragen hätten. Und wahrscheinlich ist das richtig. Allerdings sind das Farben, die allgemein für beide Geschlechter als geeignet erscheinen. Man sieht sie häufig überall. Wäre es von unserer Gesellschaft ebenso fraglos anerkannt, dass Jungen ebenfalls rosa tragen würden, wenn sie möchten und würden eben Jungen und Mädchen rosa tragen, wäre es mir vermutlich auch nicht aufgefallen.

Wie kommt das Rosa in den Schrank?

giphy-2Als 1927 die schwedische Prinzessin Astrid, die den belgischen Thronfolger geheiratet hatte, schwanger war, war sie sich sicher, dass sie einen Jungen bekommen würde. Deshalb wurde das Kinderzimmer in rosa gehalten. Rot stand zu dieser Zeit für Kampf, Blut und Männlichkeit. Rosa als kleines Rot war demnach für die Jungen reserviert, wohingegen Mädchen hellblau in Anlehnung an die blauen Gewänder der Mutter Jesu trugen. Angeboren ist den Mädchen die Neigung oder die Bestimmung zur Farbe Rosa also nicht. Und Prinzessin Astrid bekam eine Tochter.
Seit den 20er und 30er Jahren wurde die Farbe Rosa dann vermehrt mit Weiblichkeit assoziiert. Nach dem ersten Weltkrieg fand die Farbe Blau für Jungen immer mehr Verwendung, da sie an die Arbeits- und Marineanzüge angelehnt war. Für die Mädchen blieb als Kontrast und Überbleibsel die Farbe Rosa.

Natürlich sollten Kinder selbst mitentscheiden, was sie gerne tragen möchten und das Problem besteht nicht darin, dass eine fünfjährige morgens ihr Lieblingsshirt aus dem Schrank zieht, sondern darin, dass diese Farbe Mädchen schon vor der Geburt definiert, dass sie die Macht hat, jedes Kind zum stereotypen Mädchen zu machen (dazu später mehr). Trägt das Kind im Kinderwagen rosa, dann ist es ein Mädchen, ist der Kinderwagen selbst rosa, sieht man schon von weitem, dass es ein Mädchen ist und falls das noch nicht reicht, klebt man dem Säugling am besten noch ein rosa Schleifchen auf den Kopf nachdem man ihm Ohrlöcher stechen lassen hat. Sicher ist sicher.

Beinahe jeder zweite Kindergartenrucksack auf Amazon, mytoys oder Dawanda ist rosa oder Pink. Rosa taucht in der aktuellen Kollektion von H&M in der Hälfte aller Bekleidungsstücke für Mädchen auf, aber nicht bei Jungen. In der aktuellen Kollektion von C&A sind weit mehr als die Hälfte der T-Shirts rosa oder pink oder haben rosa oder pinke Details.

T-Shirts für Mädchen aus der aktuellen C&A-Kollektion

Rosa und Blau

T-Shirts für Mädchen: Mit dem roten Punkt sind alle T-Shirts markiert, die rosa oder pink sind oder rosa oder pinke Details haben

Schaut euch die T-Shirts noch einmal kurz an. Keines dieser T-Shirts könnte ein Junge tragen, ohne dass man als Eltern befürchten müsste, dass er von irgendwo einen blöden Spruch zu hören bekommen könnte. Keines.

Die T-Shirts für Jungen hingegen könnten wahrscheinlich auch von Mädchen getragen werden, ohne dass es auch nur auffallen würde. Für die tägliche Dosis Rosa gibt es schließlich auch noch die Haarspangen und Brotdosen, Armbänder und Sportbeutel.

T-Shirts für Jungen aus der aktuellen C&A Kollektion

Rosa und Blau

T-Shirts für Jungen: keine zarten Motive, sondern bunte Formen und gerade Schnitte

Die Kinder sind nicht dafür verantwortlich, dass die Kleiderschränke der Mädchen voller rosa sind und die der Jungen nicht. Auch die Eltern, Großeltern, Verwandten und Freunde kann man kaum dafür verantwortlich machen, denn es gibt ja fast nichts für Mädchen zu kaufen, das nicht rosa ist. Die Konzerne wie H&M oder C&A bieten wiederum das an, was gekauft werden will.
Viele Eltern möchten gerne, dass das Mädchen pink trägt, viele Mädchen möchten sich über rosa als Mädchen definieren und viele Frauen tragen es gerne. Daran ist eigentlich nichts verwerflich. Ich bin der Ansicht, dass bitteschön jeder das tragen sollte, was er möchte. Doch trotzdem gibt es zwei Verlierergruppen, die man durch die rosarote Brille gar nicht sieht:
Zum einen die Mädchen, die von Erwachsenen und Gleichaltrigen vorgelebt bekommen, dass Rosa eben für Mädchen ist und ihnen gleichsam das schwere Paket der Klischees  und Stereotypen gegenüber Mädchen in die Hände gedrückt wird. Denn Rosa ist nur für Mädchen, Puppen sind nur für Mädchen, Mädchen kochen gerne, Mädchen sind immer höflich und lieb, Mädchen müssen aufpassen, dass die ihr neues Kleid nicht schmutzig oder die Strumpfhose kaputt machen, Mädchen möchten Mama sein, Mädchen sind Zicken, Mädchen können nicht so schnell rennen, Mädchen sind schwächer als Jungen, Mädchen lassen sich gerne helfen.
Zum anderen die Jungen, die gerne Katzen-Prints und Puppen mögen, die Schleifen und Rüschen hübsch finden und denen gesagt wird, dass Rosa für Mädchen ist. Denn Jungen mögen einfach kein Rosa, Jungen sind stark, Jungen weinen nicht, Jungen tragen keine Haarspangen, Jungen ziehen keine Röcke an, Jungen kriegen kein Glitzer, weil das ’schwul‘ ist, Jungen mögen Dinosaurier und Autos, Jungen müssen Mädchen beschützen, Jungen gehen später Arbeiten, Jungen mögen keine Feen und Prinzessinnen, sondern Cowboys und Jedis, Jungen schaffen das schon alleine.

Die Auswahl der Mädchen an T-Shirts beim Einkaufen ist demnach eigentlich doppelt so groß verglichen mit der der Jungen. Denn sie könnten alles tragen: rosa oder blau, pink oder weiß oder grün – ganz egal für was sie sich entscheiden – niemand wird sie aufgrund der Farbe oder des Schnitts ihres T-Shirts be- oder verurteilen. Die Jungen hingegen werden auf die T-Shirts, die für sie gemacht wurden beschränkt. Dennoch werden die Mädchen oft sogar konsequent in der rosafarbenen Farbfamilie oder den zarten Pastelltönen festgehalten: so wirklich frei sind also beide nicht!

Kinder sollten bunt sein wollen

Wahrscheinlich ist es für die nächsten Jahre sehr utopisch darauf zu hoffen, dass die Stereotypen gegenüber Jungen und Mädchen, gegenüber den Farben die sie tragen sowie der Motive und Schnitte verschwinden. Aber selbst wenn die Mädchen gerade kaum darum herumkommen rosa zu tragen oder unbedingt rosa tragen wollen, kann man zunächst auf etwas anderes hoffen: nämlich, dass sie die Vorurteile gegenüber Rosa als Klischee-Farbe für Mädchen, die Naivität oder Hilflosigkeit verkörpert, verändern. Denn in Rosa oder Pink kann man genauso schnell rennen, genau so weit springen, genauso laut schreien, genauso hoch klettern, genauso schnell rechnen, genauso gut werfen und genauso viel essen wie die Jungen. Aber Kinder sollten bunt sein wollen und sich nicht nur auf eine Farbfamilie beschränken oder beschränken lassen. Auch wenn es schon so manch einem kleinen Menschen schwerfällt Muster zu ändern.

 


Bär Aquarell cogito ergo brumm Philosopie Descartes

Cogito ergo brumm

Während der Frühling in die kalte Erde und die kahlen Zweige geschlüpft ist, habe ich meine Masterarbeit fertig geschrieben und sie jetzt – endlich – abgegeben.

Also, hallo, Freunde der Sonne! Schön, wieder hier zu sein.

masterarbeit

Seit ein paar Tagen habe ich plötzlich wieder Zeit. Zeit zum Kochen oder um in Ruhe spazieren zu gehen und die Sonne zu genießen. Zeit aufzuräumen oder auf dem Balkon zu sitzen und in einer Zeitschrift zu blättern. Zeit Musik zu hören und dabei kleine Dinge auf dickes Papier zu kritzeln. Zeit um die Elstern im Garten zu beobachten, die hier irgendwo ganz in der Nähe ein Nest gebaut haben und die ab und zu sogar auf mein Fensterbrett hüpfen.

cogito ergo brumm - philosophie bär

Elster Aquarell Skizze

Die Sonne scheint mir ins Gesicht und ich tanze zu Ray Charles, Jackson 5 und den Islay Brothers im Wohnzimmer. Wie so eine Romanfigur von Sarah Kuttner.

Ich bin zufrieden.

Na, April, dann zeig mal, was du so zu bieten hast.

 


 

 

 

FRAU ZUNDER liest: Die Verabredung

Gestern Abend habe ich meinen Schreibtisch in ein „Aufnahmestudio“ verwandelt um endlich den Text einzulesen, nach dem ich seit Oktober gefragt werde.

Für alle Geduldigen und Ungeduldigen, für alle, die gerne Texten lauschen und für alle Linas, Sasas und Paulis gibt es die Geschichte von den zwei Freundinnen, einem kleinen Hund und der französischen Küche jetzt zum immer und immer wieder hören. Egal ob auf SoundCloud oder über YouTube. Viel Spaß!

DIE VERABREDUNG hatte ihre Prämiere am 30.10.2016 auf der Lesebühne der Infinite Monkeys im Café wunschlos glücklich in Würzburg. Da ich die Lesebühne INFINITE MONKEY mit organisiere und auch moderiere, möchte ich noch ein bisschen Werbung dafür machen. Wir sind Autor*innen, die andere Autor*innen ermutigen möchten, ihre Texte aus der Schreibtischschublade oder der Festplatte zu holen und auf unserer Bühne ohne Bewertung einem Publikum vorzutragen. Wer erst einmal in kleiner Runde lesen möchte oder einfach nur vorbeischauen will, ist immer gern zu unseren Autorentreffen eingeladen, die jeden Monat stattfinden. Schaut einfach mal auf unserer Website vorbei oder besucht uns auf Facebook. Du musst noch nichts veröffentlicht haben, um bei uns lesen zu dürfen und du musst auch kein Student sein. Alle sind herzlich eingeladen.

Wer noch mehr Informationen über die Lesebühne und die Autorentreffen möchte und auch mal in ein Autorentreffen reinhören will, hat großes Glück, denn die liebe Alessandra von egoFM hat uns erst vor ein paar Wochen interviewt und den tollen Beitrag könnt ihr unter egoFM JUNGE TALENTE nachhören.


Findus entspannt in seinem Katzenleben

Die Geschichte vom Stressless-Sessel

Vor fünf Jahren hat mein Vater sich einen sehr bequemen, sehr roten und sehr teuren Stressless-Sessel zu seinem 50. Geburtstag gewünscht. Er ist aus echtem und ganz weichem Rinderleder*, nimmt schnell Körperwärme auf und schmiegt sich an denjenigen an, der darin entspannt. Er hat eine hohe Rückenlehne, Armstützen und steht auf  einer schmalen, geschwungenen Holzkonstruktion. Sehr ergonomisch designet, sehr hübsch anzusehen. Der Stressless-Sessel wurde nach großer Bewunderung, und Probesitzen der ganzen Familie ins „Fernsehzimmer“ gestellt. Das ist der Raum, in dem — Überraschung! — ein großer Fernseher, ein größeres Sofa und eine noch größere DVD-Sammlung stehen, die jeder Videothek Konkurrenz gemacht hätte — würde es noch Videotheken geben. Mein Vater könnte am Wochenende eine eigene eröffnen und Mitgliedskarten für nostalgische Dorfbewohner erstellen. Außerdem befindet sich, sehr zum Leidwesen aller Beteiligten, auch sein Büro in diesem etwa 15m² großen Raum. Büro bedeutet in diesem Fall: ein unter Papier begrabener Schreibtisch, massenweise Ordner, die neben den DVDs in den Regalen stehen (für alle eher weniger Film interessierten Leute, könnte er Wochenzettel und Rechnungen der letzten dreißig Jahre zum Ausleihen anbieten), ein Drucker und ein riesiges Faxgerät.
Grund genug, sich nach einem Arbeitstag im Stressless-Sessel zu entspannen, die Füße hochzulegen und sich vom Rinderleder wärmen zu lassen. So sollte der wunderschöne, sehr ergonomisch designte, sehr rote und sehr teure Sessel demjenigen Entspannung bieten, der seine stressbefreiende Wirkung am meisten nötig hat.

Nun ist es so, dass wir einen Kater haben.

In Findus (natürlich nach dem sprechenden Kater Findus mit der grünen Hose benannt, der mit seinem alten Pettersson in Schweden auf einem kleinen Hof lebt und auch genau so aussieht — außer, dass er eher selten eine Hose trägt) habe ich mich als er wenige Wochen alt war, im Tierheim verliebt und mit nach Hause gebracht. Er war winzig klein und sofort der Mittelpunkt aller anderen fünf Familienmitglieder.
Findus war gerade zwei Jahre alt (=24 Menschenjahre), als der Stressless-Sessel unter großem „Oooh“ und „Aaah“ aufgestellt wurde.  „Wir müssen etwas über den Sessel tun, sonst kratzt der Kater ihn kaputt und dann ist das schöne Leder versaut.“, meinte Papa.

Nun ist es so, dass mein Vater seit seiner Kindheit großer FC-Bayern München Fan ist.

Also hat er zum Geburtstag von Freunden mit gleicher Vorliebe auch ausgewählte Accessoires passend zum Verein geschenkt bekommen. Wie diese rot-weiße Fleecedecke mit einem riesigem Bayern-München-Logo. Diese Fandecke wurde also provisorisch über das hübsche dunkelrote Rinderleder drapiert. Weniger Rinderleder, dafür kuscheliger Fleece, weniger skandinavisches Design, dafür mehr Stadionfeeling.

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Findus schläft im Stressless-Sessel

Es muss sich nun ein Missverständnis ereignet haben, das bis heute anhält, denn Findus ist der Meinung, dass der wunderschöne, sehr ergonomisch designte, sehr rote und sehr teure Stressless-Sessel eigens für ihn angeschafft worden sein muss. Glücklicherweise hatte er wenig Interesse daran, an seinem Geschenk herumzukratzen. Viel schöner ist es ja, darauf zu liegen. Insbesondere, wenn eine kuschelige Fleecedecke extra für ihn ausgebreitet wird.

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Findus‘ Lieblingsplatz zum Entspannen

Nun ist es so, dass die FC-Bayern-Fleecedecke heute immer noch genau so über dem wunderschönen, sehr ergonomisch designten, sehr roten und sehr teuren Stressless-Sessel liegt. Und auch, dass natürlich derjenige mit dem meisten Stress, die meiste Zeit darauf entspannt: der Kater.
„Wenn ich noch einmal geboren werde,“, sagen Gäste „dann will ich Katze bei euch werden.“ Findus muss in seinem vorherigen Leben also viel gutes Karma gesammelt haben. Mit seinen fast acht Jahren (=46 Menschenjahren) hat er eine fantastisch weiche Wohlfühloase fast für sich allein.

Denn schlafende Katzen, weckt man nicht.

schlafende-katze-gif

*EDIT 11. Januar 2017: Die lieben Leute von Stressless haben mir mitgeteilt, dass es sich bei dem Leder des wunderschönen, sehr ergonomisch designten, sehr roten und sehr teuren Stressless-Sessels um Rinderleder und nicht um Elchleder handelt. Findus erzähle ich das nicht, denn er fühlt sich bestimmt sehr nordisch.

Stressless auf Instagramm

Danke nette Stressless-Social-Media-Beauftragte-Menschen 🙂


Reflexion zum Jahresende während der mythischen Rauhnächte

Rauhnächte: Achtsamkeit und Reflexion zwischen den Jahren

Während der Rauhnächte wurde früher und wird zum Teil noch heute, besonders in Teilen des Schwarzwalds, im Allgäu oder Tirol, uralten Bräuchen nachgegangen. Von der Weihnachtsnacht bis zum Dreikönigstag wurde orakelt, gedeutet, sich auf das Alte besonnen und auf das neue Jahr vorbereitet. Zu dieser heiligen Zeit durfte nicht gearbeitet, ja nicht einmal gewaschen oder gebacken werden, Ställe und Häuser wurden ausgeräuchert, um böse Geister zu vertreiben und gute Energien hineinzulassen. Die Verbindung zur jenseitigen Welt, glaubte man, sei  in dieser Zeit besonders stark. Da sich die Rauhnächte nach dem Mondzyklus richten und zum keltischen sowie zum germanischen Kalenderkreis gehören, befinden sie sich tatsächlich zwischen zwei Jahren. Sie gehören nicht mehr zum alten aber auch noch nicht zum neuen Jahr. Perchtenumzüge oder Klausentreiben mit gruseligen Gestalten wie dem Krampus oder einer sehr unheimlichen Frau Holle, sprechende Tiere und Orakel finden heute viele Menschen seltsam. Auch, wenn sie sich oft selbst dieser Brauchtümer bedienen und sich auf Umzügen (ja, auch zum Karneval, Fastnacht, Fasching oder Halloween) verkleiden oder an Silvester Blei gießen, was ursprünglich ebenfalls zu den Bräuchen der Rauhnächte gehörte. Hier findest du noch mehr Informationen zu den Rauhnächten.

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Aber auch, wenn man während der Rauhnächte nicht nach diesen alten Bräuchen und Mythen lebt, kann man diese Zeit am Ende des alten und zu Beginn des neuen Jahres nutzen, um sich zu besinnen, achtsam zu sein und das vergangene Jahr zu reflektieren. Wie war es und was ist seit dem Beginn des letzten Jahres passiert, in dem man um Mitternacht mit Sektglas und roten Wangen sehnsüchtig den Raketen nachgeblickt und sich selbst „Auf ein Neues“ zugeflüstert hat?

Was will man im neuen Jahr verändern, was möchte man erreichen? Es lohnt sich, sich für all diese Fragen Zeit zu nehmen und sie während der zwölf Rauhnächte (natürlich auch davor oder danach) für sich selbst zu beantworten. Man sollte auch versuchen, Wünsche für das neue Jahr  zu formulieren, denn man munkelt, dass sich die Wünsche während der Rauhnächte dann, im neuen Jahr, erfüllen werden!

Das alles ist ein bisschen so, wie sich gute Vorsätze fürs neue Jahr zu machen, aber viel aufschlussreicher, konkreter und einfacher umzusetzen, wenn man seine Gedanken ausformuliert hat und weiß, worauf man zurückblickt. Wichtig ist, dass man sich nicht zu viel vornimmt. Wer nächstes Jahr endlich regelmäßig ins Fitness-Studio gehen möchte, sollte sich fragen, warum es dieses Jahr nicht geklappt hat. Und er sollte sich realistische Ziele setzen, wie zum Beispiel, erst einmal in der Woche das Fitness-Studio zu besuchen, sich über den Tag hinweg viel zu bewegen und öfter mal eine Haltestelle früher auszusteigen. Wer sich zu viel vornimmt und sich schon zum Jahresbeginn vor zu große Herausforderungen stellt, der ist schnell frustriert, wenn er scheitert und leider auch oft dazu geneigt, gleich alles bleiben zu lassen. Dann ist es besser, nicht all zu hart zu sich zu sein und es einfach noch einmal zu versuchen. Dazu braucht es nämlich nicht unbedingt einen Jahreswechsel!

Damit mir mein persönlicher Jahresrückblick besonders viel Spaß macht und ich ihn gut aufbewahren kann, habe ich eine Druckvorlage mit Fragen und Anregungen erstellt, die du dir hier als PDF herunterladen kannst: Reflexion und Achtsamkeit 2016-2017. Du kannst sie einfach im A4 oder A5 Format oder als Broschüre (schau mal, ob dein Drucker oder dein PDF-Reader so etwas kann) ausdrucken. Die kannst du dann vorsichtig mit zwei Heftklammern oder Nadel und Faden selbst binden. Dann kannst du dein Heftchen in aller Ruhe ausfüllen. Mach es dir gemütlich, zünde, wenn du magst, eine Kerze oder eine Duftlampe an, um auch ein bisschen herumzuräuchern, und bereite dir ein Heißgetränk deiner Wahl zu. Nimm dir zum Ausfüllen und Nachdenken am besten soviel Zeit, wie du brauchst und bewahre deine Antworten gut auf. Vielleicht hast du Lust, im nächsten Jahr hin und wieder hinein zu spicken um dich an die Dinge, die du dir vorgenommen hast zu erinnern oder nächstes Jahr nachzusehen, ob sich ein paar deiner Wünsche erfüllt haben.

Alles Liebe und ein wundervolles Jahr 2017 für dich und alle, die dir wichtig sind

          Susan


Alle Jahre wieder

Weihnachten, was war das noch?

Für die letzte Ausgabe des Bugles in diesem Jahr habe ich wieder eine Kolumne verfasst. Sie ist sehr hübsch weihnachtlich und weil heute Nikolaus ist, gibt es sie jetzt schon hier auf dem Blog zu lesen. 

micky-maus-weihnachten

Weihnachten steht vor der Tür. Der Kindheitsheld Rolf Zuckowski fragt auf meiner vergötterten Dezemberträume-Kasette von 1993: „Weihnachten, was war das noch?“🎶 Ja, was? Mal davon abgesehen, dass er die Frage leider nicht beantwortet, sondern sich allein der Definition der titelgebenden Dezemberträume widmet („helle Sterne in der Nacht“ und „aus Musik und Licht gemacht“), bin ich mir selbst auch nach weiteren dreiundzwanzig Jahren eindringlicher Beantwortungsversuche vieler verschiedener Menschen nicht ganz sicher.

Es scheint generell ein Problem mit der Beantwortung ganz essenzieller Fragen zu geben. Schließlich beantwortet auch Haddaway die Frage nach dem Sein der Liebe 🎶 nur mit der Bitte an sein Baby, ihn nicht mehr zu verletzen. Und mit: Yeah, yeah.
Ich weiß noch nicht, was ich davon aufschlussreicher finde. Und es ist mir immer noch ein Rätsel, warum manche Menschen nach Monty Python immer noch nach dem Sinn des Lebens fragen. Es scheint also nicht ganz einfach zu sein, dasjenige zu beschreiben, was uns als selbstverständlich erscheint.

„An Weihnachten feiern wir die Geburt Jesu Christi.“, sagen die Christen. „Weihnachten ist nur der fiese Plan der katholischen Kirche gewesen, um das keltische Lichterfest zu verdängen. Jesus wurde nicht mal im Dezember geboren.“, sagen dann diejenigen Menschen, die meistens auch noch gleich hinterherwerfen, dass es an Weihnachten eh nur noch um Kitsch, Konsum und Geschenke gehe. Und natürlich haben sie ziemlich Recht.
Aber nur ziemlich. Denn Weihnachten ist die Zeit, in der ich beobachte, dass sich tatsächlich etwas tut. Sei es nur der kitschigen Weihnachtsfilmen wegen, aber viele Menschen sammeln Spenden und bemühen sich wirklich nett zu sein, bevor an Weihnachten selbst dann wieder alles komplett eskaliert. Aber man bemüht sich.

Meine persönliche Definition von Weihnachten erweitert sich jedes Jahr aufs Neue. Weihnachten ist, wenn alle unter den größtmöglichen Stresszuständen versuchen, ein Fest zu feiern, höflich zu bleiben und niemanden anzubrüllen, wenn Tante Frieda findet, die Kugeln am Baum passen so gut zusammen wie ihr selbst gemachter Salat zu dem gekauften Weißbrot — nämlich gar nicht —, wenn man versucht, im Regen von Geschenkpapier und neben dem völlig verstörten Kater, der weder den geschmückten Tannenbaum markieren, noch die witzigen Bälle von den unteren Ästen schubsen darf, jemandem in Ruhe ein Geschenk zu überreichen. Weihnachten ist, sich über Socken zu freuen und abends mit roten Wangen nach dem vierten Glas Rotwein im Bett zu liegen und zu denken: „Nur noch die Feiertage. Fast geschafft.“ Weihnachten ist wie ein Schnellzug aus Lichtern, Geschenken und Knödeln mit Blaukraut.

Kuscheliges Geschenkpapier

Der Kater Findus im Karton.

Und für dich? (Rolf, das ist dein Einsatz!)

„Weihnachten, was war das noch?

Denk’ schnell noch einmal nach.

Bestimmt wird die Erinnerung

in deinem Herzen wieder wach.“

Diese Kolumne ist erschienen in The Bugle, official Newspaper of Lost&Distorted.
Ausgabe °8