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Mensch, du Fliege!

Die Fliege summt ins Schlafzimmer und ich schließe genervt die Augen und senke das Flow Ferienbuch, das mich trotz des nassen Augusts in ruhige Sommerstimmung versetzt hat. Zumindest für wenige Minuten. Sie summt im Sturzflug knapp über meinem Kopf vorbei und gibt eine Spirale über meinem Wasserglas zum Besten. Dann schwirrt sie in die Nachttischlampe und das Summen bekommt einen zusätzlichen Hall-Effekt, stoppt dann kurz und setzt wieder ein, während die Fliege mit rieselndem Staub im Schlepptau wieder herausgetaumelt kommt. „Herr Timo!“, rufe ich. „Da ist eine Fliege!“ Herr Timo ist wenig daran interessiert. Er steht am Waschbecken und putzt seine Zähne. Nun ist das so, dass ich eine Fliege durchaus selbst erledigen könnte. Der Möglichkeit halber. Aber ich bin ein Mensch, der sämtliche Insekten (außer Blutsauger) vorsichtig einfängt und draußen wieder freilässt. Eine Fliegenklatsche haben wir nicht, sondern nur einen Insektenfänger, den mir meine Eltern in weiser Voraussicht geschenkt haben, als ich von Zuhause ausgezogen bin, damit das Kind alleine klarkommt. Wer aber schon einmal versucht hat, eine Fliege nicht zu erschlagen, sondern zu …

Bär Aquarell cogito ergo brumm Philosopie Descartes

Cogito ergo brumm

Während der Frühling in die kalte Erde und die kahlen Zweige geschlüpft ist, habe ich meine Masterarbeit fertig geschrieben und sie jetzt – endlich – abgegeben. Also, hallo, Freunde der Sonne! Schön, wieder hier zu sein. Seit ein paar Tagen habe ich plötzlich wieder Zeit. Zeit zum Kochen oder um in Ruhe spazieren zu gehen und die Sonne zu genießen. Zeit aufzuräumen oder auf dem Balkon zu sitzen und in einer Zeitschrift zu blättern. Zeit Musik zu hören und dabei kleine Dinge auf dickes Papier zu kritzeln. Zeit um die Elstern im Garten zu beobachten, die hier irgendwo ganz in der Nähe ein Nest gebaut haben und die ab und zu sogar auf mein Fensterbrett hüpfen.

Findus entspannt in seinem Katzenleben

Die Geschichte vom Stressless-Sessel

Vor fünf Jahren hat mein Vater sich einen sehr bequemen, sehr roten und sehr teuren Stressless-Sessel zu seinem 50. Geburtstag gewünscht. Er ist aus echtem und ganz weichem Rinderleder*, nimmt schnell Körperwärme auf und schmiegt sich an denjenigen an, der darin entspannt. Er hat eine hohe Rückenlehne, Armstützen und steht auf  einer schmalen, geschwungenen Holzkonstruktion. Sehr ergonomisch designet, sehr hübsch anzusehen. Der Stressless-Sessel wurde nach großer Bewunderung, und Probesitzen der ganzen Familie ins „Fernsehzimmer“ gestellt. Das ist der Raum, in dem — Überraschung! — ein großer Fernseher, ein größeres Sofa und eine noch größere DVD-Sammlung stehen, die jeder Videothek Konkurrenz gemacht hätte — würde es noch Videotheken geben. Mein Vater könnte am Wochenende eine eigene eröffnen und Mitgliedskarten für nostalgische Dorfbewohner erstellen. Außerdem befindet sich, sehr zum Leidwesen aller Beteiligten, auch sein Büro in diesem etwa 15m² großen Raum. Büro bedeutet in diesem Fall: ein unter Papier begrabener Schreibtisch, massenweise Ordner, die neben den DVDs in den Regalen stehen (für alle eher weniger Film interessierten Leute, könnte er Wochenzettel und Rechnungen der letzten dreißig Jahre zum Ausleihen …

Reflexion zum Jahresende während der mythischen Rauhnächte

Rauhnächte: Achtsamkeit und Reflexion zwischen den Jahren

Während der Rauhnächte wurde früher und wird zum Teil noch heute, besonders in Teilen des Schwarzwalds, im Allgäu oder Tirol, uralten Bräuchen nachgegangen. Von der Weihnachtsnacht bis zum Dreikönigstag wurde orakelt, gedeutet, sich auf das Alte besonnen und auf das neue Jahr vorbereitet. Zu dieser heiligen Zeit durfte nicht gearbeitet, ja nicht einmal gewaschen oder gebacken werden, Ställe und Häuser wurden ausgeräuchert, um böse Geister zu vertreiben und gute Energien hineinzulassen. Die Verbindung zur jenseitigen Welt, glaubte man, sei  in dieser Zeit besonders stark. Da sich die Rauhnächte nach dem Mondzyklus richten und zum keltischen sowie zum germanischen Kalenderkreis gehören, befinden sie sich tatsächlich zwischen zwei Jahren. Sie gehören nicht mehr zum alten aber auch noch nicht zum neuen Jahr.

Gudrun Sjördén Weihnachtsstern

Currywurst, Magie und ein Schloss

Während andere im November eine Erkältung verschleppen, verschleppe ich Blogbeiträge. Vorletztes Wochenende war ich mit meiner Familie in Nürnberg und auf der Winterträume Messe in Stein im Schloss Farber-Castell. Als Mama gefragt hat, ob ich mit möchte, musste ich nicht lange überlegen: das wunderschöne Nürnberg, eine Winterweihnachtsmesse und ein ganzes Schloss für Stifte. Glücklicher kann man mich kaum machen. Dachte ich. Denn es gab Currywurst mit Pommes. Es gab die beste Currywurst mit Pommes.

Cupper Tee verschiedene Designs und verschiedene Sorten, Good Morning, Zen Balance, Keep Calm, My Time, Good Night

Tässchen Tee und Farbenspiele

Ach, wie schön. Das brauche ich! Ich bin ein Opfer des Verpackungsdesigns. Für Menschen wie mich gibt es die schönen Schachteln und weichen Tütchen, bedrucktes Papier und flatternde Fähnchen. Ich glaube, dass wegen mir der Studiengang Verpackungsdesign niemals aussterben wird. Ich werde garantiert immer von dieser kapitalistischsten Form der Ästhetik angezogen. „Ach, schau mal, Herr Timo, wie hübsch!“ „Ja, aber das brauchen wir doch nicht, oder?“ „Hm, nein, aber es ist doch so hübsch. Schau doch mal!“ „Ja, es ist ganz toll, aber wir kaufen heute kein Hundefutter. Wir haben keinen Hund.“ (Dieser Dialog ist frei erfunden und alle Personen, die etwas anderes behaupten sind blöd.) So kommt es vor, dass ich schmachtend vor Regalen stehe wie vor einem Monet und gänzlich in Kontemplation versinke. Hach. Wie schön… Ab und zu lasse ich mich sogar so sehr von der Verpackungsästhetik hinreißen, dass ich mich plötzlich mit dem Produkt vor der Kasse wieder finde. Im besten Fall handelt es sich dann natürlich um etwas, das ich tatsächlich brauche und sogar gekauft hätte, wenn es weniger schön …